No Man's Sky Screenshot

No Man’s Sky – No Man’s Review

Es gibt so unendlich viele No Man's Sky Reviews in diesem Universum. Vermutlich bist du die einzigste Entität, die dieses Review jemals lesen wird!

Mein Raumschiff in No Man’s Sky (PC/PS4) sieht aus wie ein futuristisches Huhn und ich habe es mal wieder ungeschickt direkt auf einer seltsamen Pflanze geparkt. Deswegen verliere ich beim Aussteigen gleich etwas Energie von meinem Schutzschild, weil ich ein paar Meter in die Tiefe rassel. Dafür ist der Laderaum mittlerweile voll mit Emeril, was mir die Kosten für meinen nächsten Anzug-Slot sichert, der wiederum für etwas mehr Hitzeschutz sorgen könnte. Denn nach ca. 30 Minuten auf dem teilweise über 100 Grad heißen Planeten – ich habe ihn schlicht »Wüstenplanet« getauft – muss ich die Einöde wieder verlassen und die erbeuteten Rohstoffe in der Raumstation, auf dem intergalaktischen Handelsmarkt, verscherbeln. Ein neues Raumschiff könnte ich schon gut gebrauchen. Das nächste interessante Sternenvehikel ist aber noch ein paar Millionen Credits entfernt.

No Man’s Sky – Scheiße eingeparkt
Scheiße eingeparkt …

Viel mehr als Ressourcen sammeln gab es auf »Wüstenplanet« auch nicht zu tun. Flora und Fauna sind kaum vorhanden, aber eben Emeril, etwas Gold und immerhin ein vereinsamter Bewohner in einer Art Forschungsstation. Verstanden habe ich seine Sprache nur in Bruchstücken, aber ich konnte ihm wohl mit einem Softwareupdate helfen. Fast wie im echten Leben. Als Dankeschön gab es einen Bauplan für mein Multiwerkzeug, den ich allerdings schon gefühlte 50 mal gefunden hatte. Sehen werde ich das Alien nie wieder, ebenso wie ich vermutlich nie wieder zu diesem Planeten zurückkehren werde. Still und heimlich kann ich hoffen, dass vielleicht irgendwann ein anderer Spieler dieses System findet und sich über die seltsame Namensgebung der Planeten wundert.

No Man’s Sky: Staunen, sammeln, craften … wiederholen

Auch nach ca. 30 Stunden Spielzeit kann ich immer noch nicht die Finger von No Man’s Sky lassen. Das ist seltsam, denn schon nach ca. zehn Stunden scheint sich so ziemlich alles im Spiel zu wiederholen. Dennoch zieht es mich zum nächsten Planeten. Auf der Oberfläche angekommen zeigt mein Helmvisier toxischen Dauerregen an. Trotzdem bleibe ich auf dem nächsten Hügel stehen und schaue mir den wunderschönen Grafikstil und die Eigenheiten des Planeten an. Am Horizont steht ein großer Mond am Himmel und mit dem Fernglas lassen sich ein paar hüpfende Blumentöpfe mit großen Augen katalogisieren. Über mir kreisen ein paar wurmähnliche Kreaturen in der Luft und hin und wieder surrt mal eine Wächterdrone an mir vorbei. Wäre dieser toxische Regen nicht, wäre der Ausblick fast schon romantisch. Aber für Romantik sind wir nicht da, wir brauchen noch eine Ladung Aluminium.

No Man’s Sky – Aluminium
Was tut man nicht alles für ein bisschen Aluminium …

Aber nicht nur der Grafikstil ist hervorragend gelungen, auch der Soundtrack hat einen ganz eigenen Stil und stammt aus der Feder der britichen Postrock-Band 65DAYSOFSTATIC. Für das Spiel wurde gleich ein Doppel-Album eingespielt, das unter dem Namen »No Man’s Sky: Music for an Infinite Universe« fast zwei Stunden lang läuft. *Kopfhörer auf*

Eintauchen in das Universum von No Man’s Sky kann man also hervorragend. Ein bisschen muss man sich auf das Spiel aber auch einlassen. Eine Welt, in der alle Spieler zwar irgendwie gleichzeitig online sind, sich aber so gut wie nie treffen werden, weil das von Hello Games gebaute Universum einfach zu groß ist. Das kann den einen unendlich faszinieren, den anderen unendlich langweilen. Ebenso die vermeintliche Ziellosigkeit im Spiel. Den Weg des Atlas folgen? Die Mitte des Universums finden? Einfach nur Erkundungsspiel mit ein bisschen sammeln und craften?

Hype, Kritik, technische Probleme … Bestseller

Kritik ist bei No Man’s Sky so schnell gefunden, wie Kohlenstoff auf den Planeten. Die Story des Spiels ist relativ flach und die meisten Elemente wiederholen sich schon nach relativ kurzer Spielzeit recht gnadenlos. Die »Stationen« auf den Planeten sehen immer gleich aus und geben die immer selben Nebenmissionen an den Spieler ab. Mal ein Notsignal aufspüren, mal den Alien-Tempel finden, mal einen neuen Außenposten finden.

Action-Freunde werden auch nicht unbedingt auf ihre Kosten kommen. Ein Multiplayer-Titel ist No Man’s Sky ebenfalls nicht. »Weltraumgeballer« gibt es nur, wenn mal ein paar Piraten auftauchen. Auf den Planeten selbst bekommt man höchstens mit den sogenannten »Wächtern« Ärger. Die sorgen dafür, dass die Flora und Fauna nicht zu sehr durch den Sammeldrang des Spielers leidet. Ansonsten bleiben noch einige hungrige Kreaturen, die hin und wieder mal nach dem Spieler schnappen und uns etwas Selbstverteidigung abverlangen.

Dazu kommt der doch recht ausgeprägte Vorab-Hype und die damit verbundenen hohen Erwartungen an das Sandbox-Spiel. Wenn dann noch die »Glorious PC Master Race« auf Steam einen halbgaren Konsolen-Port mit vielen Bugs präsentiert bekommt, wird es zunehmend schwieriger die Erwartungen zu erfüllen. Zum Bestseller reicht es aber dennoch. Steam, GOG, PlayStation Store, Amazon und die meisten anderen Gaming-Charts dürften No Man’s Sky im oberen Chartbereich – oder direkt auf Platz 1 – listen.

No Man’s Sky – 100 Prozent
100 Prozent Entdeckungen gehen auch einfacher: Planeten ohne Lebensformen lassen sich generell als 100% abgeschlossen hochladen. Bug oder Feature?

Startschubdüse … du Sau!!!1!1!

Etwas hakelig bis nervig ist auch das Mikromanagement der gesammelten Ressourcen und das ständige Aufladen von Technikbausteinen. Beispielsweise wünscht die Startschubdüse stets etwas Plutonium zum Naschen auf Vorrat liegen zu haben, damit man sein Raumschiff bewegen darf. Das geht natürlich durchaus in Ordnung. Leider muss die Startschubdüse dafür manuell gefüttert werden. Immer … und … immer … wieder. Hier würde ich mir einen Automatismus wünschen, oder einen Inventarplatz, aus dem sich die Startschubdüse eigenmächtig bedienen darf. Das selbe Spielchen gilt beispielsweise noch für die Schutzschilde des Raumschiffes und dem Elementarschutz des Raumanzuges.

No Man’s Sky – Plutoniumfeld
Plutoniumfeld – Das Schlaraffenland für die Startschubdüse

Fazit

Keine Frage, No Man’s Sky muss sich jede Menge Kritik gefallen lassen. Völlig zurecht. Komischerweise juckt mich das alles nicht. Mittlerweile bin ich wieder einige Spielstunden – und einige Sternensysteme – weiter, auf dem Weg zur nächsten Atlas-Schnittstelle. Meine Reise wird zunehmend entspannter und irgendwie doch effizienter. Anders als zu Spielbeginn hab ich begriffen, dass ich viele Sachen auch einfach links liegen lassen kann. Schade nur, dass ich das nicht gleich nach den ersten fünf Spielstunden begriffen habe.

Ich muss nicht den »ganzen« Planeten abgrasen, nicht jedes Technikbauteil angrabbeln, nicht in jede Kiste gucken, nicht jedes bisschen Platin einsammeln, nicht jedes Pflänzchen katalogisieren, nicht sofort den Weg in die Mitte des Universums finden. Ich habe jede Menge Zeit und noch mehr Planeten und Monde vor mir, als ich je besuchen könnte. Und wenn ich mal nur 15 Minuten auf einem Planeten verbringe ist das auch in Ordnung. Verpassen kann ich nichts, denn es kommt ja alles irgendwie wieder. Für Leute, die in Rollenspielen mit jedem NPC reden müssen, dürfe No Man’s Sky demnach die Hölle sein.

Also wundere mich einmal mehr, warum ich diese Piratenschiffe nicht mal anfunken kann, baller die drei feindlichen Nuckelpinnen, für den nächsten Reisemeilenstein, über den Haufen und springe ins nächste System. Vielleicht bau ich ja heute mal ein Update für den Bergbaustrahler oder hoffe ein abgestürztes Schiff zu finden? Vielleicht schau ich mir aber auch nur ein paar neue Planeten an und fütter den ein oder anderen Bewohner.

Awwww, wie goldig, ein 2,64 Meter großes, fleischfressendes Swerul Oanipu!
Awwww, wie goldig, ein 2,64 Meter großes, fleischfressendes Swerul Oanipu!

Für mich ist No Man’s Sky der angekündigte Hit, da das Spiel bei mir funktioniert. Mir gefällt der Grafikstil, der grandiose Soundtrack, das Spielprinzip und natürlich die komplette Spielatmosphäre. Selbst der Startschubdüse verzeih ich ihr Verhalten. Ja, es wiederholt sich alles und das Gameplay ist repetetiv. Aufhören kann ich deswegen aber nicht, dass Spiel macht neugierig und auch etwas süchtig. Aber immer auf eine entspannte Art und Weise.

  1. Moin,
    Schöne Review.
    Mal eine ganz andere Frage, da ich hier nichts sonderlich aussagekräftiges gefunden habe.
    Gibt es eine Mac Version?

  2. Leider nein, bisher PC und PS4.

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