Nvidia Shield TV

Nvidia Shield TV Review – Gamestreaming ohne Spiele

Nvidia Shield TV – Spielerevolution oder unausgereiftes Spielzeug?

Nvidia vermarktet die hauseigene Streaming-Box Nvidia Shield TV meistens als die potenteste Android TV-Lösung, die momentan zu haben ist. Dank großzügiger Hardware sind damit Serien und Filme in 4K kein Problem und sowohl Amazon, Google als auch Apple müssen sich im Hardwarevergleich (von Nvidia) geschlagen geben. Mit ShieldTV lassen sich also 4K-Inhalte – sofern vorhanden 😉 – von YouTube, Netflix, XBMC und PLEX auf den Fernseher streamen. Dazu gibt es 10-Bit-Farbtiefe, was selbst Macs mittlerweile können, satten Dolby 7.1 Surround-Sound und eine Fernbedienung mit Sprachsteuerung. Letztere seltsamerweise gegen Aufpreis. Zwar liegt dem ShieldTV standardmäßig ein Game-Controller bei, die Fernbedienung gab es bisher nur aktionsbedingt als kostenlose Dreingabe dazu und kostet für gewöhnlich um die 50 Euro extra.

Und was macht man nun mit der potentesten TV-Streaming-Lösung? In meinem Fall: Alles, nur keine Filme streamen. Denn das eigentliche Potenzial der Box läuft unter dem Namen »GeForce NOW« und ist der Game-Streaming-Dienst für Spieler mit dicker Internetleitung und dem Wunsch, in Zukunft keinen PC mehr unter dem Schreibtisch, oder am Fernseher, stehen zu haben. Die Idee dabei ist nicht neu. GeForce NOW startet das gewünschte Spiel auf einem entfernten Server, verarbeitet dort alles mit passender Hardware und schickt nur das Bild an die Streaming-Box.

Im Falle von Nvidia Shield TV kostet dieser Dienst 9,99 Euro im Monat und benötigt – um sauber zu laufen – mindestens 50MBit im Download. Ähnlich wie bei Netflix und Co mit Filmen, bekommt man für sein Geld dann ein mehr oder weniger festes Spielepaket, aus dem man sich beliebig bedienen kann. In dem Paket sind logischerweise nicht die topaktuellsten Titel enthalten, sondern ältere Kaliber wie beispielsweise »How to Survive«, »Tomb Raider (2013)«, »Operation Flashpoint: Dragon Rising«, »The Vanishing of Ethan Carter Redux« oder »Sniper Elite V2«.

Nvidia Shield TV – Das Wunschpaket

Wer aktuelle Spiele spielen möchte wird extra zur Kasse gebeten, was auch vollkommen ok ist. Um »The Witcher 3: Wild Hunt« über GeForce NOW zu streamen muss man einmalig 60 Euro auf den Tisch legen, bekommt nebenbei aber noch einen digitaler Schlüssel für »GOG«. Je nach Spiel ist natürlich auch der passende »Steam-Code« mit am Start. Alles in allem ein fairer Deal und mein Wunschpaket wäre gefunden: Endlich PC-Spiele mit einer günstigen 200-Euro-Hardware vorm Fernseher spielen und sich nie wieder Gedanken um neue PC-Hardware machen. Klingt für mich nach der perfekten Streaming-Lösung …

… ist sie aber leider nicht. Auch wenn Nvidia Shield TV technisch einwandfrei seinen Streaming-Dienst verrichtet und Spiele wie »The Witcher 3: Wild Hunt« oder »Saints Row IV« ruckelfrei laufen und toll aussehen, hat der Dienst ein großes Problem: Es gibt praktisch keine AAA- und Multiplayer-Titel und in den letzten Monaten gab es kaum Bewegung im Spieleangebot der kostenpflichtigen Spiele. So bewirbt Nvidia den Titel »Mad Max« seit Release der Streaming-Box auf der eigenen Webseite mit einem »Demnächst verfügbar«:

GeForce NOW – Mad Max
Seit Monaten wartet man auf GeForce NOW auf eine Veröffentlichung von Mad Max

Viel getan hat sich die letzten 3-4 Monaten also nicht. Außer das »Mad Max« bereits im Sale auf »Steam« gelandet ist und dort für unter 20 Euro zu erwerben war. Für NOW ist der Titel immer noch nicht verfügbar. Nvidia legt kaum Spiele im kostenpflichtigen Segment nach und beschränkt sich momentan auf Titel wie »Layers of Fear«, »Bombshell« oder »Grim Fandango Remastered«. So spielen wir eben weiterhin »Fallout 4« auf der PS4, »Firewatch« auf dem Mac Book Pro und »Mad Max« auf dem Daddel-PC … und streamen letzteres – dank hervorragender Controllerunterstützung – hin und wieder mal lokal vom PC ins Wohnzimmer auf das Nvidia Shield TV. So richtig Sinn der Streaming-Sache war das allerdings nicht.

Das Nvidia mit NOW auf Multiplayer-Spiele verzichtet kann man mit Sicherheit nachvollziehen. Aber wo bleibt der Rest? Wenn Geralt von Riva technisch mitspielen kann, warum dann nicht beispielsweise auch ein »Fallout 4«, ein »Just Cause 3«, »Rise of the Tomb Raider, oder ein »Far Cry Primal«? Meiner Ansicht nach verschenkt die Box damit ihr eigentliches Potential als möglichen PC-Ersatz. Aber wer weiß schon genau, welche vertraglichen und technischen Probleme Nvidia in dem Fall auf dem Tisch liegen hat? Im Endeffekt kommt hier aber zu wenig beim Abonnenten an. Auch wenn technisch alles bestens ist, das Angebot bleibt einfach zu dünn, um richtig interessant zu sein.

Und die »kostenlosen« Spiele?

GeForce NOW
Die letzten Neuzugänge auf GeForce NOW, hallo »Tomb Raider«! (Stand: 21. Februar 2016)

Also bleiben noch die Spiele, die im Abo für rund 10 Euro enthalten sind. Hier macht man definitiv einen ordentlichen Schnitt mit dem monatlichen Abopreis und hat auch Bewegung im Angebot. Monatlich gesellt sich mindestens ein neuer Titel dazu. Bekanntester Neuzugang dürfte seit Februar 2016 »Tomb Raider« sein, ursprünglicher PC-Releasetermin März 2013. Wer also das ein oder andere PC-Spiel interessant findet – und keine passende Hardware Zuhause hat – der kann definitiv einen Blick in NOW riskieren und dort auch genug Futter für zwischendurch finden.

Fazit – Abo behalten oder nicht?

Mein Wunsch nach aktuellen PC-Spielen ohne aktuelle PC-Hardware hat sich mit Nvidia Shield TV leider nicht erfüllt. Das NOW-Angebot ist mir zu dünn, um dauerhaft interessant zu bleiben. Mein Abo habe ich also nach nur vier Monaten wieder gekündigt. 2-5 Jahre alte Spieletitel lassen sich über die passenden Download-Portale oftmals zu Schleuderpreisen erwerben und laufen auch auf einem älteren PC/Mac noch ganz ordentlich.

Technisch gesehen war ich überrascht das die Streaming-Qualität so gut ist, dass man als Normalsterblicher praktisch keinen Unterschied zwischen lokaler und entfernter Hardware bemerkt. Wer jetzt beispielsweise eine GeForce GTX Titan X unter dem Schreibtisch stehen hat, der mag mir hier – zurecht – sicherlich widersprechen. Für die »Normalos« ist die Qualität aber vollkommen ausreichend. Für mich ist das Game-Streaming definitiv ein Teil der Zukunftsmusik, aber vermutlich braucht es noch einige Jahre bis die Bandbreiten allgemein steigen und ein passendes Angebot alles richtig macht.

Im Endeffekt dient mein Nvidia Shield TV momentan nur als lokale Streaming-Maschine vom PC an den Fernseher und für das ein oder andere Android-Spielchen zwischendurch. Gerade hier gibt es doch noch einige Perlen zu entdecken wie beispielsweise »Metal Gear Rising: Revengeance«, »The Battle of Sol«, »Windward« oder die »DOOM 3 BFG Edition«. Alles in Allem kann ich das Nvidia Shield TV nur eingeschränkt empfehlen. Auf der einen Seite steht der einfache und technisch absolut saubere Zugang zu Streaming-Spielen, auf der anderen Seite hat man den Eindruck das NOW noch mit angezogener Handbremse fährt und das komplette Angebot nicht mehr als ein Test für Nvidia ist.

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