Der Deutsche Computerspielpreis

Es gibt einen Deutschen Computerspielpreis? In der Tat. Und dieser ist sogar mit nennenswerten Preisgeldern dotiert (insgesamt über 500.000 Euro) und unterstützt von vielen politisch motivierten Anzugsträgern, die Ende April die Preise an auserwählte Spielehersteller weitergaben. Das beste deutsche Computerspiel ist laut dem Willen der Preisverleiher das Strategiespiel »Anno 1404«, dass ganz nebenbei auch den Preis für das beste internationale Spiel abräumte. Ein etwas seltsames Bild ist es schon, wenn unter anderem Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) einen Preis für Computerspiele verleihen.

Der Deutsche Computerspielpreis

Die Verleiher des Preises haben dann auch umgehend erfolgreich bewiesen, dass man nicht unbedingt auf der Seite der deutschen Spieler steht und Preise, unter dem Einfluss von Politik, nicht unbedingt die Qualität der ausgezeichneten Videospiele widerspiegeln. Denn sind wir ehrlich, Anno 1404 kann gerne als bestes deutsches Spiel herhalten, aber international gibt es ein ganzes Dutzend Titel, die mehr Aufsehen erregt haben. Da Anno 1404 auch noch nachnominiert wurde, könnte der Eindruck entstehen, die anderen internationalen Titel (beispielsweise das disqualifizierte Uncharted 2) waren den Preisverleihern vielleicht nicht »sauber« genug, bzw. hatten die falsche USK-Einstufung? Sieht man in die Blockbuster-Listen der Spielehersteller, ist damit ein völlig falsches Bild die Voraussetzung für den Preis. In der Tat wurden aber bei der Preisverleihung Inhalte für Erwachsene herausgefiltert.

Dazu kommt auch noch ein formaler Fehler, denn laut der offiziellen Webseite zur Veranstaltung darf »Jeder Verband jeweils bis zu drei im Ausland hergestellte Spiele für diese Kategorie vorschlagen.« Nun darf man raten, in welchen Land Anno 1404 entwickelt wurde. Folglich hätte das Spiel gar nicht den Preis für das beste internationale Spiel bekommen dürfen. Auch nicht, wenn man es unter dem internationalen Namen »Dawn of Discovery« nominiert.

Der Deutsche Conputerspielpreis scheint damit frei von einem wirklich objektives Urteil zu sein und die Auswahl des besten internationalen Titels ist unserer Meinung nach ein Armutszeugniss. Schön, dass dann in der Pressemitteilung zur Preisverleihung folgende Sätze zu finden sind:

Computerspiele haben sich in den letzten Jahren zu einem bedeutenden Bestandteil des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens entwickelt. Unabhängig vom Alter und sozialer Herkunft nutzen zunehmend alle Gesellschaftsgruppen multimediale interaktive Unterhaltungs- und Lernangebote.

Vielleicht sollten sich die Preisverleiher dann auch wirklich bewusst werden, dass ein großer Teil des Videospielmarktes mittlerweile aus volljährigen Spielern besteht. Kulturpolitik muss eben nicht unbedingt mit der Realität übereinstimmen. Schlimm aber, wenn man versucht sich mit Hilfe eines Computerspielpreises die gewünschte Realität zu konstruieren.

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