Gefangen in der Zeitkapsel

Gefangen in der Zeitkapsel

Die Time Capsule ist ja nun wirklich ein tolles Stück Hardware. Ein WLAN-Router und ein Netzwerkspeicher, schön verpackt in einem kompakten Gehäuse. Nervig ist es jedoch, wenn die Kapsel den Weg alles Irdischen geht. Meist ist ein überhitztes Netzteil die Ursache des plötzlichen Ablebens, so auch höchstwahrscheinlich bei der MacVillage-Kapsel, die mal auf den schönen Namen »Wurstsuppe« hörte.

Nutzt man die Kapsel als Datenspeicher, kommt man nun in die Verlegenheit,  die Daten von der Platte retten zu müssen. Apple sieht einen Zugriff auf die Platte bedauerlicherweise nicht vor, sodass es bei einem Ausfall keine Möglichkeit gibt, ohne Garantieverlust auf die Festplatte zuzugreifen. Doch ist die Garantie einmal abgelaufen, zerlegt man das Gerät fachmännisch (das hartnäckige Gummi auf der Unterseite ist dabei das schwierigste Teil, sofern man es nicht zerstören will) und baut die Festplatte einfach in ein handelsübliches externes USB-Gehäuse für SATA-Festplatten ein.

Ist die Festplatte noch intakt, werden vom System drei Partitionen erkannt. Wichtig für die Datenrettung ist nur die Partition mit dem Namen der verblichenen Time Capsule, da sich dort die zu rettenden Daten befinden. Die Partitionen APswap und APconfig können getrost ignoriert werden. Die öffentlichen Freigaben der Festplatte befinden sich im Ordner Shared, während benutzerspezifische Freigaben im Ordner Users liegen, also wie bei OS X.

Merkwürdig gestaltet sich, zumindest bei der hier gestrandeten Kapsel, die Rechtevergabe der Benutzerordner. Es gab auf der Kapsel zwei Benutzer mit identischen Rechten auf ihre jeweiligen Ordner. Trotzdem wurden die Rechte der Ordner unterschiedlich gesetzt. Während die Daten des einen Benutzers problemlos zugänglich sind, kann auf den Ordnerinhalt des anderen Benutzers mangels Rechte nicht zugegriffen werden.  Erst ein beherztes sudo chmod a+x /Volumes/{namederpartition}/Users/{namedesordners} gestattet dem OS X-Benutzer Einblick in die zu rettenden Daten.

Hat man sich auf diese Weise Zugriff auf die Daten verschafft, ist der Rest ein Kinderspiel. Eventuell müssen jedoch in den Unterordnern ebenfalls noch fehlende Zugriffsrechte ergänzt werden, um den Inhalt zu sehen. Hier macht sich anscheinend die Verwendung der verschiedenen Clients (Ubuntu, Mac OS X, Windows XP) bemerkbar, die bei der Anlage der Unterordner die Rechtevergabe unterschiedlich handhabten.

Wenn man die Kapsel einmal so im geöffneten Zustand betrachtet, dann wundert man sich eigentlich nicht mehr über ein hitzebedingtes Ableben des Netzteils. Es ist alles sehr eng zusammengepfercht und nur ein kleines Lüfterchen sorgt für eine leichte Brise im Gehäuse. Aus dem Gehäuse ausbrechen kann die Abwärme nicht wirklich, da die entsprechenden Lüftungsschlitze fehlen. Angesichts der gründlichen Inspektion wird wohl keine Nachfolgerkapsel den Weg in den hessischen Außenbezirk des MacVillage finden. Trotz allem war Wurstsuppe jedoch ihr 20-monatiges Leben lang ein treuer Begleiter und hat einige Male für Erheiterung bei WLAN-Gästen im MacVillage gesorgt.

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