Virtualisierung, gut und gratis

Virtualisierung - VirtualBox Kopfgrafik

Die Rede ist von VirtualBox, welches mittlerweile schon einige Jahre auf dem Markt ist. Ursprünglich wurde das Programm von der deutschen Firma Innotek entwickelt und zwischenzeitlich von Sun übernommen. Während das Programm für Windows und Linux schon lange verfügbar ist, wurde die stabile Mac-Version erst vor wenigen Monaten veröffentlicht. »Aber es gibt doch schon Parallels und VMware,« könnte mancher jetzt schreien. Das stimmt zwar durchaus, aber, abgesehen davon, dass Konkurrenz beflügelt, bietet VirtualBox auch einige sehr gute Features.

Vielleicht sollte ich einmal erwähnen, wie ich dazu gekommen bin, dieses Programm einzusetzen. Ja, ich muss euch wieder einmal mit meinem persönlichen Anekdötchen quälen. Zusammen mit meinem Mac habe ich mir seinerzeit Parallels Desktop 3.0 geholt. An sich ein super Programm, das sich leicht bedienen lässt und eigentlich kaum Features offen lässt. Der Punkt, der mich dabei aber immer gestört hat, ist die Versorgung mit aktuellen Gasterweiterungen. Speziell im Linux-Sektor, wo alle paar Wochen irgendwo eine neue Distribution erscheint, ist das sehr mühsam. Oft wurde die Unterstützung diesbezüglich Monate später mit dem nächsten Update nachgerüstet. Seit einiger Zeit scheint es aber gar keine Updates mehr für das zwei Jahre alte Programm zu geben. Ärgerlich.

Zurück zum Thema: Nach dem Start präsentiert sich VirtualBox, wie die meisten Desktop-Virtualisierungslösungen, mit einem netten Startbildschirm, über den man seine virtuellen Maschinen verwaltet. Das heißt, man sieht den aktuellen Ausführungsstatus, kann Snapshots anlegen, die Maschine starten bzw. stoppen und die Hardwareeinstellungen anpassen.

VirtualBox Startbildschirm

Natürlich lassen sich hier auch bestehende Maschinen löschen und neue anlegen. Apropos Anlegen, die Anzahl der offiziell unterstützten Gastsysteme ist enorm. Neben Windows und Linux in allen möglichen Varianten (inklusive Serverversionen und 64-bit-Varianten) werden auch noch DOS und das fast schon vergessene OS/2 unterstützt. Die Anzahl der zu verwendenden CPUs ist genauso anpassbar wie die RAM- und Videospeicher-Menge. Mit dabei ist auch ein experimenteller 3D-Support, der sogar Compiz-Effekte unter Linux ermöglicht. Schade ist nur, dass kein WDDM-Treiber für die optischen Effekte von Windows 7 und Vista mitgeliefert wird.

Windows 7 in VirtualBox

Hat man seine Maschine fertig konfiguriert, bindet man wahlweise ein ISO-Image ein oder schiebt den Datenträger des gewünschten Betriebssystems ins DVD-Laufwerk. Sobald das Betriebssystem in der virtuellen Maschine fertig installiert ist, sollte man noch die Gasterweiterungen installieren. Damit ist die Grafikausgabe deutlich schneller und außerdem erspart man sich, den Mauszeiger immer fangen und wieder freigeben zu müssen. Gerade unter Linux ist hier die Umsetzung sehr gut, was sicher auch daran liegt, dass VirtualBox selbst größtenteils OpenSource ist. Wenn man die Größe des Fensters ändert, wird automatisch die Bildschirmauflösung des Gastsystems angepasst. Eigentlich ist das ja nichts wirklich Besonderes, aber unter Linux habe ich das bei anderen Virtualisierungslösungen bisher nicht so problemlos erlebt. Aber auch die Gasterweiterungen für Windows verrichten brav ihren Dienst.

Ubuntu 9.10 in einem stark verkleinerten Fenster

Ein Feature, das von anderen Produkten als »Unity« bzw. »Coherence« bezeichnet wird, bietet VirtualBox ebenfalls – hier unter der Bezeichnung »Seamless Mode« (»Nahtlosmodus« in der deutschen Version). Sowohl bei Windows- als auch bei Linux-Gästen funktioniert das ohne größere Probleme, nur fallweise kommt es zu kleinen Grafikfehlern. Sinnvoll ist es übrigens, wenn man sich den Tastatur-Shortcut zum Verlassen des Vollbild- bzw. Nahtlosmodus gut merkt oder aufschreibt (Command+L).

Ubuntu im Nahtlosmodus

Natürlich ist nicht alles Gold, was glänzt. Bei einem kurzen Test mit Windows 7 hat der Nahtlosmodus immer wieder Anzeigefehler produziert. Da das Betriebssystem noch recht neu ist, kommen da aber sicher im Laufe der Zeit noch Fehlerbereinigungen. Ein weiteres kleines Manko ist meines Erachtens, dass man keine Dateien per Drag & Drop vom Host in den Gast ziehen kann – bei der Konkurrenz ist das nämlich möglich. Insgesamt kommt mir auch vor, dass VMware bezüglich knackigem Reagieren und Performance noch immer die Nase vorne hat.

All das ist allerdings zu verschmerzen, da VirtualBox kostenlos erhältlich ist. Die Software bietet eigentlich alles, was die (teilweise nicht billigen) Konkurrenten auch können. Die Anzahl der unterstützten Betriebssysteme – sowohl als Host als auch als Gast – ist sogar höher als bei den anderen Vertretern. Außerdem muss ich die sehr kurzfristigen Updates löblich hervorstreichen. Ubuntu 9.10 wurde bereits am Tag seines Erscheinens offiziell von Virtualbox unterstützt, inklusive Gasterweiterungen und allem gewohnten Komfort.

Ich persönlich setze VirtualBox im Speziellen für die Virtualisierung von Linux-Gästen ein. Für Windows XP und Vista ist weiterhin mein Parallels Desktop das Mittel der Wahl. Aber vielleicht nicht mehr lange. VirtualBox wird für Windows, Linux, Intel Macs und Solaris angeboten – der Downloadlink befindet sich direkt unterhalb.

VirtualBox Download
http://www.virtualbox.org/wiki/Downloads

  1. coffeelover

    Es gibt einen wichtigen Tipp für die Virtualisierung von Windows unter VirtualBox: Unbedingt den SATA-Controller verwenden.
    http://forums.virtualbox.org/viewtopic.php?t=9575

  2. Auch wenn das scheinbar nur die älteren Windowsversionen betrifft, danke ich auf jeden Fall für den Hinweis. 🙂

  3. Werde nach meinen Erfahrungen unter XP berichten..

  4. Pingback: MacVillage.de » Mac OS X als VirtualBox-Gastsystem

  5. Bisher war ich darüber noch nicht gestolpert, aber ich werde es mir mit Sicherheit in Ruhe ansehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.