ID3v2, ein Kommandozeilenhelfer

Kopfgrafik ID3v2

Nachdem meine Kollegen von aptgetupdate vorhin einen Artikel über MacPorts veröffentlich haben, möchte ich euch bei der Gelegenheit ein Programm vorstellen, das man ganz bequem darüber installieren kann. Und natürlich nicht irgendein Programm, sondern eines, das man auch wirklich oft brauchen kann (und über das ich sowieso früher oder später einmal schreiben wollte). Die Rede ist von »ID3v2«, einem ID3-Tag-Editor für die Unix-Kommandozeile. Kommandozeile? Ja, auch als Mac-User verwende ich diese gelegentlich. Wieso ich das mache und wie es dazu gekommen ist, werde ich euch im Folgenden näher bringen. Und natürlich gibt es dann auch gleich ein Anwendungsbeispiel für das Tool.

Gleich zur Frage, warum ich ausgerechnet dieses Programm brauche: Ich stoße immer wieder auf MP3-Dateien (eigene, Freundeskreis, Familie), die nicht mit iTunes gerippt wurden. Soweit ist das ja überhaupt kein Problem, also solange man sie nur wiedergeben möchte. Problematischer wird es, wenn man in iTunes die Tags anpassen möchte. Da hat nämlich iTunes ein kleines Manko – es unterstützt nur die ID3v2 Tags, nicht aber deren Vorgänger ID3v1. Wie allgemein bekannt ist, können beide Arten von Tags gleichzeitig in einer MP3-Datei stecken (und viele Ripper nutzen auch beide). Wenn man eine Datei mit Tags in der Version 1 in die Musikbibliothek importiert, werden die Tags einmalig auf Version 2 konvertiert und ab dann ignoriert.

Ändert man jetzt beispielsweise Genre oder Interpreten, werden diese Änderungen nur mehr im ID3v2-Tag geschrieben und es entsteht ein inkonsistentes Tagging. Sobald man diese MP3s auf eine CD fürs Autoradio brennt (und dieses bevorzugt ID3v1 ausliest), hat man den Salat – die Tags sind plötzlich andere als im iTunes. Ich selbst habe es genau so erlebt, wusste aber nicht sofort, wo das Problem lag. Durch ein wenig Internetrecherche bin ich dann dahinter gekommen und habe beschlossen, dass da etwas passieren muss. Nachdem Version 1 der Tags sowieso stark eingeschränkte Möglichkeiten bietet, iTunes diese ignoriert und die Version 2 bereits großflächig unterstützt ist, beschloss ich, zukünftig auf ID3v1 zu verzichten.

Da es unheimlich mühsam ist, mit einem Tag-Editor einzelne Lieder umzustellen, machte ich mich auf die Suche nach einem Tool. Und dieses Tool wurde dann ID3v2 – Name ist gleich Programm! Installieren lässt es sich am einfachsten über die bereits angesprochenen MacPorts. Einfach »sudo port install id3v2« ins Terminal tippen und mit Enter bestätigen. Ein paar Kilobyte an Daten werden aus dem Internet geladen – anschließend wird das Programm kompiliert und installiert. Nachdem das erledigt ist, kommen wir auch gleich dazu, wie ich das Programm einsetze.

Bevor ich Musik in meine Sammlung importiere, navigiere ich mit der Kommandozeile in den Ordner, wo die betroffenen Dateien liegen. Als ersten Schritt überprüfe ich wahllos eine Datei des Albums mit dem Befehl »id3v2 -l datei.mp3« (das »l« ist ein kleines L), welche Tags sie enthält. Sind ID3v1 und ID3v2 vorhanden, gehe ich direkt dazu über, die alte Tag-Version aus den Dateien zu entfernen. Folgender Befehl erledigt das:

ID3v1 strippen

Sollten die Dateieigenschaften, die mit dem Parameter »-l« ausgegeben wurden, offenbaren, dass die Informationen alle in den ID3v1-Tags stecken, werden diese zuerst noch konvertiert. Ja, das ist wichtig, weil wenn wir die Tags nur entfernen, haben wir am Ende eine ungetaggte Datei! Konvertieren geht mit folgendem Befehl und dauert nur wenige Sekunden:

Konvertieren von ID3v1 auf ID3v2

Sobald das abgeschlossen ist, ziehe ich die Dateien in iTunes und bearbeite dort die Tags gegebenenfalls noch weiter. Diese Vorgehensweise wende ich bereits seit einigen Monaten an und bin sehr zufrieden. Sobald man sich die drei Konsolenbefehle gemerkt hat, ist man mit diesem Helfer auch wesentlich schnell als mit einem Tag-Editor, der eine grafische Oberfläche hat. Eigentlich bin ich ja ein Gegner kryptischer Konsolenprogramme und großer Sympathisant schicker GUIs, aber in dem Fall muss ich wirklich eine Ausnahme machen.

Mit dem Programm lassen sich übrigens auch sämtliche ID3-Tags einzeln setzen. Näher Interessierte mögen das Programm mit dem Befehl »id3v2 –help« aufrufen und die gebotenen Optionen studieren. Meiner Meinung sind aber die ganzen Befehle, abseits der Batch-Konvertierung von Tags, eher für Scripts und den Aufruf aus anderen Programmen heraus geeignet. Wie heißt es so schön? Man kann, aber man muss nicht.

  1. Guter Tipp. Vielen Dank.

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