Best Practice Japan: Mogabe Town

Mogabe Town

Dass der japanische Markt als Fensterchen in die Zukunft hochinteressant zu beobachten ist, ist wohl einigen klar. Ich hatte vor einer Weile das Vergnügen, den deutschen Mobile-Papst Marco Koeder (hier im Interview bei turi2) bei einem Workshop kennen zu lernen, eine überzeugende Vorstellung. Besonders angetan hat es mir die japanische mobile-Plattform Mogabe Town (»Mobile Game Town«). Im Jahr 2006 gestartet bot Mogabe Town einen Ort, an dem es eine Menge Spiele zu spielen gab. Casual Games natürlich, schlichter, ansprechend produzierter Zeitvertreib. Aber das war nicht alles, sondern nur der Einstieg, der Erstregistrierungsgrund gewissermaßen. Darüber hinaus gab man der Plattform die komplette Palette von Social Network Services (SNS) mit. Außerdem besaßen viele Spiele von Anfang an selbstverständlich Mehrspielerfunktionalitäten und durch das Netzwerk konnte man – wir erinnern uns an Second Life – mit Avataren als individuellen und individualisierbaren Repräsentanten seiner selbst über die Plattform wandern. Diese Avatare sind aber eben nur Teil des Nutzerprofils (neben den üblichen Hobbys, Lieblingsfilmen usw.), weshalb sie vermutlich so gut angenommen wurden. Ihre Wohnung auf einer Landkarte von Japan bekamen sie trotzdem (das wiederum ist interessant für lokales oder regionales Advertising) und natürlich wird mit dem Equipment der digitalen Alter Egos jede Menge Geld verdient.

Best Practice Japan: Mogabe Town

Das Bezahlsystem der Plattform heißt Mogabe Gold. In einer klug ausgetüftelten Balance aus Verschenken (Neuanmeldung von mir selbst oder empfohlenen Freunden, Einkaufen auf Seiten von Sponsoren, Teilnahme an Umfragen) und Verkaufen solcher Credits entsteht ein Ökosystem. Ein Ökosystem, weil es nicht (wie z.B. bisher bei facebook-Spielen) eine Spielinternes, sondern ein auf der ganzen Plattform funktionierendes Bezahlsystem darstellt (die facebook Credits sind ein Weg in diese Richtung). Und darüber hinaus konnten durch die Fokussierung auf schlichte Casual Games neue Zielgruppen erschlossen werden, für die Gamepad & Co. zuvor eine unüberwindbare Einstiegshürde dargestellt hatten. Das hat zur Folge, dass inzwischen über 12 Millionen Japaner einen Account bei Mogabe Town haben – bei knapp 128 Millionen Einwohnern. Um noch ein paar Zahlen hinterher zu schieben: etwa 40 Millionen Japaner spielen regelmäßig mobile games und generieren damit 20% des kompletten Umsatzes, der mobil erzeugt wird. Über 90% der Japaner im Alter zwischen 10 und 30 Jahren haben solch ein mobile game schonmal gespielt. Eine erstaunliche Zahl noch zum deutschen Markt: immerhin gut 70% der Teenager-Mädchen haben auch hierzulande schonmal ein Spiel aufs Handy geladen.

Und Mogabe Town dehnte das Konzept weiter aus, nämlich auf User Generated Content (UGC). Zunächst auf von Usern geschriebene Bücher, 280.000 wurden in den ersten sechs Monaten eingestellt. Dem folgte Musik – 2.500 Songs wurden hier in den ersten sechs Monaten hochgeladen. Und wie bekommt man noch mehr UGC? Man gibt dem User Tools, um einfacher besseren Content produzieren zu können. Geboren war der Music Creatur Vol. 1, mit dem sich sehr einfach Lieder erstellen und schließlich einstellen ließen. Man fragt sich schon, warum etwa das dahinsiechende MySpace nicht stärker in diese Richtung arbeitet. Denn diese Kombination aus hochkomplexer Technik und kinderleichter Bedienung (Koeder nennt das »simplicity«), angereichert mit einer starken individuellen, sozialen und lokalen Komponente ist schon ein beeindruckendes Erfolgsmodell. DeNA, das Unternehmen hinter Mogabe Town, hatte übrigens für letztes Jahr den Markteintritt in die USA geplant – ich habe bisher allerdings noch keine nicht-japanische Version entdeckt. Sollte es sie doch irgendwo geben freue ich mich über Hinweise in den Kommentaren. Aber vielleicht ist die westliche Welt einfach noch nicht so weit …

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