PEGI statt USK

PEGI statt USK

Electronic Arts-Manager Gerhard Florin hat sich noch vor dem Start der gamescom 2009 die berechtigte Frage gestellt, warum Deutschland bei den Altersfreigaben von Videospielen einen Sonderweg in Europa eingeschlagen hat und mehr oder weniger gefordert das System auf das internationalen Klassifikationssystem »PEGI« (Pan-European Game Information) umzustellen. Dazu gibt es einen lesenswerten Spiegel-Artikel und unter anderem das recht deutliche Zitat von Florin: »Das ist Zensur, was wir hier machen, aber keiner beschwert sich. Wenn hier über Spiele gesprochen wird, dann über Gewalt oder angebliche Suchtgefahr, nicht über den kulturellen Stellenwert.«

Auf die deutlichen Worte, die mit Sicherheit die meisten Gamer hier »unterschreiben« würden, hat jetzt die USK reagiert und sieht den Seitenhieb von Gerhard Florin wohl eher gelassen. Marek Brunner, Leiter der USK-Testabteilung, reagiert mit einem kurzen Statement: »Das ist sehr schlecht. Wenn man versucht, die Zuschauer damit zu kriegen, was schlecht an der USK ist, muss man sich auch damit auseinandersetzen, wie das deutsche Jugendschutzsystem aufgebaut ist. Und da spielen eben das Strafrecht und die BPjM eine riesige Rolle, bevor die USK ins Spiel kommt.«

Und damit hat Brunner natürlich recht, da die USK nur die gesetzlichen Vorgaben unseres gesamten Jugendschutzsystems umsetzt und man den »Schwarzen Peter« somit an die BPjM und das Strafrecht abgeben kann. Da könnte es einem so vorkommen, als würde man bei Kritik einfach mit dem Finger auf die Anderen (BPjM und Strafrecht) zeigen und ist somit raus aus der Diskussionsrunde? So einfach sollte man es auch der USK nicht machen und könnte beispielsweise transparentere Prüfmethoden verlangen und immer wieder an allen(!) Stellen nachfragen, warum Videospiele immer noch nicht den selben (Kunst-)Status wie beispielsweise Filme zugesprochen bekommen. Und auch deswegen könnte man das eigentliche Verhältnis zwischen USK zur BPjM besser nach Außen kommunizieren.

Das die USK hier ganz vorne in der Kritik steht ist meiner Meinung nach nur verständlich, wenn auch nicht immer ganz fair. Auf den Spieleverpackungen ist aber nun mal ein USK-Button, der seinen großzügigen Platz vom Cover einfordert. Und deswegen ist die USK ist hier auch das Aushängeschild für das was im gesamten Jugendschutzsystem passiert. Und genau so sollte man auch die Kritik an der USK auffassen. Diese gilt nämlich nicht nur für die Prüfstelle direkt, sondern für das Gesamtpaket.

Das Verweisen auf BPjM und Strafrecht ändert auch nichts an der Tatsache, dass man etwas am gesamten deutschen Jugendschutz ändern könnte und auf ein europäisches System schwenkt, dass bereits in über 28 anderen europäischen Ländern wunderbar funktioniert und somit einheitlich ist. Unser System scheint mir hingegen nicht mehr zeitgemäß zu sein. Mit Sicherheit kann man der USK nicht die Schuld in die Schuhe schieben, sie gehört aber definitiv dazu und bezieht naturgemäß keine genaue Stellung zu der Kritik. Ebenfalls verständlich, denn wer sägt schon gerne am Ast auf dem er sitzt?

Trotz aller Kritik ist Jugendschutz wichtig und niemand will diesen Abschaffen oder zerlöchern, was man den Kritikern gerne mal in den Weg wirft. Aber am Ende muss man sich als volljähriger Spieler immer wieder fragen, warum einige USK 18-Titel trotzdem geschnitten im Laden stehen und die europäische PEGI-Fassungen ohne diese Schnitte auskommen. Das kann eigentlich auch nicht im Sinne des »Jugendschutzes« sein.

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