Kleinvieh macht auch Mist

Kleinvieh macht auch Mist

»Convert« nennt sich ein kleines Programm, dessen Entwickler »tap tap tap« momentan vormachen, dass man auch im Micropayment-Bereich ordentlich die Werbekeule schwingen kann. Die App ist für iPhone und iPod touch gedacht und rechnet namensgerecht alle möglichen Einheiten um. Da werden Inch in Zentimeter, Gigabytes in Bits und US-Dollar in dänische Kronen konvertiert. Das Progrämmchen kostet gerade mal 0,79 Euro im App Store und bringt keinen Megabyte an Quellcode auf die Waage. Nichts besonderes also.

Oder vielleicht doch? Für die Entwickler anscheinend allemal. Denn diese ziehen, trotz niedrigem Verkaufspreis, eine ganze Reihe an Marketingaktionen durch. Den Erstkontakt im Marketinggeflecht leistet die wirklich originell gestaltete Homepage der Entwickler. Ein wenig »Kaufdruck« gibt es dann auch gleich durch einen vergünstigten Einführungspreis. Nicht das ich mich erst später zum Kauf entscheide, wenn das Programm vielleicht das Doppelte kostet. Und weiter geht es mit einem sogenannten »Tweet-Blast«, was nichts anderes als eine Verlosung 2.0 ist.

Auch hier trifft man genau in das Herz der Apple/iPhone/Mac-Anwender und verlost ein speziell hergerichtetes MacBook Pro, dessen Wert bei 5.999 US-Dollar liegt. Und auch hierzu gibt es eine durchgestylte Webseite mit weiteren Infos. Dazu packen tap tap tap noch die Exklusivkeule aus, denn das »Stealth MacBook Pro« wird es weltweit nur zehn mal geben. Natürlich muss man für die Chance das MacBook Pro zu gewinnen auch eine Kleinigkeit tun. Aber auch das ist für den Anwender einfach. Man wird auf Twitter »Follower« von tap tap tap, postet dann einen einen vorgegebenen Text in dem die Verlosung, das Programm und der Hersteller erwähnt werden und nimmt darauf automatisch an der Verlosung teil.

So schießt dann auch die Abonnenten-Zahl des Twitter-Accounts in nur kurzer Zeit über die 13.000er-Marke. Und das in weniger als 24 Stunden. Wer jetzt kurz überschlägt, wie viele User man mit dem Tweet-Blast wohl bisher erreicht hat, der dürfte (aus Marketingsicht) etwas neidisch werden. Um die Entscheidung für das Programm, um das es ja eigentlich noch geht, weiter zu erleichtern, gibt sich die App selbst keine Design- und Funktionsmängel und auf der Webseite gibt es sogar speziell gedrehte Promovideos und Screencasts. Und das alles für ein 79 Cent-Programm, dessen Funktionen es schon x-mal im App Store gab? Es scheint zu funktionieren. Convert konvertiert jetzt auch auf meinem iPhone. Momentan muss mir nur noch einfallen, was ich umrechnen könnte. Aber danke schonmal für den »Erlebnis-Einkauf«.

  1. Wiedermal ein schönes Beispiel dafür, wie viel gewinnbringender der Verkauf eines Erlebnisses ist. Ein aktueller Post von Mr. Knüwer zielt auch ein wenig in diese Richtung: http://blog.handelsblatt.de/indiskretion/eintrag.php?id=2184

  2. Schöner Artikel. Im Falle von Convert bin ich fast ein bisschen erstaunt über den enormen Aufwand der betrieben wird. Aber wenn man die iPhone-Kundschaft derart nett umschmeichelt, muss man sich auch nicht wundern, das sie so kaufwillig ist. Wer bekommt schon für 79 Cent so viel geboten?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.