Office 2011 für Mac OS X

Office am Mac – Odyssee eines Switchers

Als ehemaliger Schüler einer technischen Schule und mittlerweile Informatikstudent bin ich sicherlich keiner, der sehr intensiv mit Office-Programme zu tun hat. Aber für die diversen Dokumentations-, Präsentations- und Administrationsaufgaben sind diese Hilfsmittel einfach unverzichtbar. Immer wieder sind Ausarbeitungen anzufertigen und am Ende eines Semesters sind auch einige Projekte zu präsentieren. Tabellenkalkulationsprogramme verwende ich persönlich eher selten, und da nur für ein paar einfachere Zeitabrechnungen. Seitens der Textverarbeitung bin ich, wegen der eben genannten Ausarbeitungen, auf gute Gliederungsfunktionen mit Indexerstellung angewiesen. Und natürlich dürfen Grafiken und Tabellen in keinem technischen Dokument fehlen.

Früher, bevor ich unter die Mac-User ging, war ich mit MS Office 2003 unter Windows ziemlich zufrieden. Unter Linux verwendete ich OpenOffice.org und auch meine Abschlussarbeit von der Schule habe ich im kostenlosen Office-Paket geschrieben. Beide Varianten waren vom Tempo her angenehm flott und konnten mit den damals gängigen Formaten DOC, XLS und PPT (mehr oder weniger) gut umgehen. Soweit alles bestens, bis ich im Juli 2007 ein MacBook Pro erstanden habe.

Mein erstes Office-Paket, das ich nach dem Einstieg in die Mac-Welt installiert habe, war NeoOffice, welches damals auf OpenOffice.org 2.0 basierte. Fürs Erste war ich damit zufrieden, auch wenn das Öffnen von Dokumenten verhältnismäßig lange dauerte. Ebenso wie bei den Versionen für die anderen Betriebssysteme waren auch nur wenige, nicht umwerfend schicke, Präsentationsvorlagen dabei und die Grafiken hatten keine geglätteten Kanten. Richtig unsympathisch wurde mir das Ganze, wie ich zum ersten Mal versucht habe, im Akkubetrieb einen Text zu verfassen. Das MacBook lässt den Prozessor im Mobilbetrieb nicht auf voller Leistung laufen, was ja auch gut so ist. Allerdings hatten die Buchstaben während des Tippens eine merkbare Verzögerung.

writer

Für jemanden wie mich, der flink, und ohne auf die Tastatur zu sehen, schreibt, ist das natürlich fürchterlich – die Buchstaben am Bildschirm waren den gedrückten Tasten immer zwei Anschläge hintennach. Mittlerweile gibt es ein natives OpenOffice.org in der Version 3, das ein bisschen flotter reagiert als sein Vorgänger. Die Oberfläche sieht ein wenig mehr nach Mac-Programm aus und die Grafiken sowie Diagramme sind mittlerweile mit einer Kantenglättung gesegnet. Damit steht OpenOffice.org als – in meinen Augen – zweitbestes Office-Paket für den Mac da.

Da ich auf Kompatibilität zu MS Office angewiesen bin, hatte ich mir relativ bald auf meinem neuen Mac eine virtuelle Maschine mit Windows XP und MS Office eingerichtet. Das Erschreckende dabei war, dass diese Variante besser für flüssiges Arbeiten geeignet war, als das nativ am Mac laufende OpenOffice.org. Komfortfeatures wie »Kohärenzmodus« lassen den Windows-Desktop verschwinden, das Programm schwebt am Mac-Desktop und selbst Tastaturshortcuts wie Apfel+C werden auf ihre Pendants aus der Windows-Welt (Strg+C) übersetzt. In Fällen, wo mir Kompatibilität – sei es die Zusammenarbeit mit Windows-Kollegen oder eine Vorlage, die mit Word für Windows erstellt wurde – wichtig ist, verwende ich diese Variante noch immer. Diese Variante ist zwar alles andere als perfekt, zumal auch die Akkulaufzeit darunter leidet, aber ich kann damit leben.

winword

Nach einigen Wochen meiner Mac-Ära hatte ich die Möglichkeit, günstig an eine Studentenversion von Office 2004 für Mac OS aus dem Hause Microsoft zu gelangen. Ich war voller Hoffnung, endlich die Lösung für meine Office-Probleme gekauft zu haben. Allerdings, kaum hatte ich es installiert, war meine Freude schon wieder halb verflogen – Office 2004 läuft nicht nativ auf Intel-Macs sondern in der Rosetta-Emulation und damit entsprechend langsam. Wenn man die Fenstergröße ändert, sieht man eine wunderschöne Haarlinie statt eines sich verformenden Fensters. Der grüne Knopf links oben stellt das Fenster auf irgendeine Größe ein, die aber weder Vollbild noch an das Dokument angepasst ist. Die Symbolleisten fliegen unter der Menüleiste herum und sind nicht an das Dokumentfenster andockbar. Zusätzlich musste ich feststellen, dass es keine Unterstützung für die gerade aufkommenden Dokumentformate auf XML-Basis (DOCX, XLSX, PPTX) bietet und eine solche auch nicht so bald kommen wird.

Etwa ein Jahr später kam Office 2008 für Mac OS auf den Markt. In der freudigen Erwartung, dass es jetzt endlich nativ auf Intel-Macs läuft und die neuen Dateiformate unterstützt, habe ich auch hiervon eine Studentenversion erstanden. Office kann jetzt endlich als echtes Mac-Programm gesehen werden. Der Fensterinhalt ist zu sehen, wenn man die Größe verändert und Symbolleisten docken an das Fenster an. Zwar ist es noch immer eher langsam, aber es war schon besser als der Vorgänger. Außerdem sind sehr schöne Vorlagen dabei, die einem speziell bei Präsentationen doch viel Arbeit abnehmen. Durch seine Kompatibilität zu den neuen Dateiformaten ist es meine dritte Wahl geworden, was Office am Mac anbelangt.

Excel muss ich ein wenig rügen, da zeigt er noch immer den Fensterinhalt bei Größenänderungen nicht an. Die Formelzeile schwebt noch immer am Desktop herum und es ist lähmend langsam. In einer Tabelle mit fünf Spalten und etwa 100 Zeilen dauert es mehrere Sekunden, bis nach dem Klick der Sortieren-Dialog aufgeht. Leute, das kann es nicht sein! Ansonsten gibt es ein paar kleinere Probleme in Word mit Dokumenten, die in MS Office unter Windows erstellt wurden. Seitenumbrüche, Grafiken und Tabellen sind oft verschoben. Kein Beinbruch, aber nervig. Außerdem wurde in dieser Office-Version die Unterstützung von – teilweise in Firmen sehr beliebten – Makros gestrichen. Mich persönlich trifft das zwar nicht, aber für manch Anderen stellt das eine Katastrophe dar.

Mellel ist gewissermaßen schon ein Urgestein, was Textverarbeitung am Mac angeht und schon unzählige Jahre auf dem Markt. Im Internet hatte ich das eine oder andere Mal bereits darüber gelesen, war aber nie so wirklich motiviert, das Programm auch auszuprobieren. Vor einigen Monaten lag schließlich in Ausgabe 24/2008 des c’t-Magazins eine Vollversion von Mellel 2.5 bei. Das Erste, das einem bei diesem Programm ins Auge springt: Es ist verdammt schnell. Ein Kaltstart des Programms dauert unter zwei Sekunden! Und auch während dem Arbeiten reagiert das Programm wahnsinnig schnell. In dieser Hinsicht ist nichts zu meckern, selbst optisch passt es wunderbar in die Mac-Umgebung hinein. Nach meinem ersten damit verfassten Dokument hatte ich allerdings trotzdem einiges zu kritisieren.

mellel

Man merkt Mellel schnell an, dass es für Arbeiten an langen Textdokumenten geschaffen wurde. Manuelles Formatieren ist überhaupt nicht vorgesehen, alles läuft über Formatvorlagen. Das ist zwar toll, wenn man ein Buch schreibt, aber bei kleineren Arbeiten sehr mühsam. Nicht so selten schreibt man eine einzelne Seite Text und will dann die Überschrift größer, fett und rot formatieren. Eine Formatvorlage bedeutet hier nur unnötigen Aufwand. Eine weitere Einschränkung von Mellel ist, dass man für Bilder und Tabellen nur wenig Platzierungsoptionen hat. Außerdem bietet Mellel sehr wenig Unterstützung für Dateiformate der anderen Office-Pakete.

Meine neusten Gehversuche bewegen sich in der Welt von iWork ’09 aus dem Hause Apple. Vom Look & Feel ist es natürlich perfekt an Mac OS angepasst, vom Tempo her ist es auch schwer okay. Gut, wäre aber auch eine Schande, wenn Apple kein ordentliches Programm für sein eigenes Betriebssystem zusammen bringen würde. Bisher habe ich zwei Präsentationen in Keynote und ein mittellanges Textdokument mit Pages erstellt und ich bin vollauf zufrieden. Es werden sehr viele praktisch und hübsche Vorlagen mitgeliefert (die zwar eher Künstlern als Technikern gefallen dürften, aber das ist eine Frage des Geschmacks), die Bedienung ist intuitiv und das Arbeiten damit macht einfach Spaß. Man erhält mit dieser Office-Suite mit wenig Aufwand und in kurzer Zeit sehr professionell wirkende Ergebnisse. Zum Ausprobieren gibt es eine von der Funktionalität nicht beschränkte Testversion, die 30 Tage lauffähig ist.

pages

Nach einer langen Reise durch die Vielfalt der Office-Programme habe ich meine persönliche Reihung der Programme gefunden. Führend ist iWork, gefolgt von OpenOffice.org und Microsoft Office. Im allgemeinen kann ich empfehlen, für ein Dokument immer nur dasselbe Programm zu verwenden und, sofern es vermeidbar ist, nicht zwischen Dateiformaten (z.B. ODT und DOCX) hin und her zu konvertieren. Dabei gehen immer Informationen verloren und das Ergebnis leidet. Wenn plattformübergreifende Zusammenarbeit erforderlich ist, ist ganz klar OpenOffice.org das Mittel der Wahl. Zur Weitergabe und zur „Konservierung“ empfiehlt es sich, die Dokumente als PDF zu speichern. Bei Präsentationen bieten sich wegen der Übergänge und Animationen auch Video und Flash als Exportformate an.

Abschließend möchte ich nochmals erwähnen, dass meine Schilderungen und Vergleiche sicherlich weder fair noch vollständig sind. Es sind lediglich meine persönlichen Eindrücke, die ich auf meinem langen und beschwerlichen Weg zum Glück gesammelt habe.

  1. Eine ähnliche Reihenfolge hätte ich auch vergeben. Mit iWork arbeitet es sich bisher am schönsten, NeoOffice/OpenOffice.org sind Performancekrücken und irgendwie hab ich das Gefühl, dass einige Sachen, die unter Linux und Windows mit dem OpenOffice.org tadellos laufen, mit der Mac-Version einfach nicht wollen. Das MS Office 2004 for Mac ist nicht mehr zeitgemäß und das 2008er ist ok, aber immer noch zu träge. Leider fehlt iWork noch die eine oder andere Funktion, insbesondere bei Numbers vermisse ich die eine oder andere Funktion.

    Danke für den schönen Artikel.

  2. Schöner Artikel. Gefällt! Ein kleiner Hinweis: Bei Mellel kann man durchaus „hart“ formatieren. Nicht ganz so bequem wie in OOorg oder Word über die Knöpfe überm Dokument, aber es geht. Wobei das nicht wirklich Ziel von Mellel ist.

    Als Schreiberling setze ich erstaunlich viele Textverarbeitungen / Office-Lösungen ein. Halt immer genau die, die für ein Projekt angebracht ist.

    Kollaboratives Lektorat erledige ich in iWork / Pages. Änderungen-verfolgen und Kommentare sind wirklich schön gelöst und sowohl zu OOorg als auch Word kompatibel.

    Bücher, Kurzgeschichten und Artikel überarbeite ich in Mellel. Ab ein paar Dutzend Seiten Umfang geht Pages gerne mal in die Knie, und NeoOffice / OOorg ist einfach zu langsam und unbequem, um mal kurz 300 Seiten zu überarbeiten.

    Wegen den guten typographischen Funktionen und der OpenType-Unterstützung setze ich Mellel auch für „camera-ready“ Dokumente ein. Mit etwas Übung bekommt man damit fast LaTeX-mäßige Ergebnisse hin.

    Ein Problem stellt jedoch der RTF-Export dar – er ist in Sachen „Sonderzeichen“ nicht kompatibel zu Word 2.4. Für mich als Texter ziemlich mistig, entsprechend muß ich die Dokumente anschließend nochmals in OOorg oder Nisus neu speichern …

    Nisus Writer Pro habe ich längere Zeit intensiv genutzt, störte mich dann aber an der Apple-Text-Engine. Trotzdem noch immer meine erste Wahl für RTF-Dokumente, insbesondere im Austausch mit OOorg und Word. Rein von der Bedienung her schlägt Nisus Pages bei weitem, aber dafür fehlt leider noch immer „Änderungen verfolgen“, weshalb ich fürs Lektorat immer noch Pages benötige. Schade.

    NeoOffice / OOorg kommen dann zum Zuge, wenn jemand .odf fordert, was immer öfters der Fall ist. Auch verwende ich NeoOffice fürs Sichten von Materialen, insbesondere PowerPoint-Präsentationen. Ernsthaft längere Texte kann ich damit nicht schreiben, nur schon, weil die üblichen Markierungs-Shortcuts nicht funktionieren. Ständig umgewöhnen muß nicht sein.

    Word und MS Office meide ich wenn immer möglich …

  3. Hrm, da hat’s mir den Beitrag verhauen. Sollte heißen:

    Mellel-RTF läuft nicht sauber mit Word kleiner 2000 und OpenOffice größer 2.4 …

  4. Sehr schöne Zusammenstellung!
    Ich bin vor ca. 9 Monaten auf Mac von Windows gewechselt und erlebe eine ähnliche Odyssee. Da ich bald mit meiner Diplomarbeit in Informatik anfange, bin ich vermehrt am überlegen und evaluieren, welches Programm dafür am Besten geeignet ist.

    Angefangen habe ich mit Word 2008, doch das Programm ist ziemlicher Schrott. Extrem langsam und selbst nach diversen Patches immer noch voller Bugs. Wenn man z.B. Spaces verwenden will, kommt Word öfters mal mit den Fenstern durcheinander und packt das eine Fenster in Space 1 und die passende Toolbar in Space 2 – sehr unpraktisch!

    Weiter ging es mit NeoOffice. Recht stabil und Mac Features werden gut unterstützt. Doch die Vorlagen sind nicht so schick und auch Impress ist wenig beeindruckend.

    Vor kurzem habe ich dann iWork 09 bekommen, was schon ziemlich rockt. Dokumente sind schnell erzielt, alles in Superschick, sehr schnell und einfach zu benutzen. Ein paar Kleinigkeiten gibt es aber, die gerade bei längeren Texten wichtig sind:
    * Für Literaturverweise muss man entweder viel Geld für EndNote ausgeben, oder etwas mit BibTex rumfrickeln.
    * Auch für Formeln muss man sich entweder das teure MathType kaufen, oder via LaTexIt fertige Formeln einfügen. Der Nachteil bei LaTexIt ist, dass man die Formel später nicht mehr verändern kann:-(
    * Abbildungs- und Tabellenverzeichnisse sind (meines Wissens) in Pages nicht automatisiert möglich und müssen manuell per Hand gemacht werden.

    Schlussendlich werde ich wohl doch meine Diplomarbeit in LaTex schreiben. Das hat zwar eine recht hohe Einarbeitungszeit, aber dafür sind die Möglichkeiten nicht Limitiert. Mein Setup dafür ist: TexLive-2008 für den LaTex-Compiler, TextMate fürs Editieren und Skim zum Resultate anschauen (PDF-Viewer).

    Fazit: Für kürzere Texte ist iWorks 09 super geeignet. Wenn es umfangreicher werden muss, dann hilft wohl nur der Griff zu LaTex.

    Links:
    TexLive: http://www.tug.org/mactex/
    TextMate: http://macromates.com/
    Skim: http://skim-app.sourceforge.net/
    Diplomarbeit mit LaTex: http://drzoom.ch/project/dml/
    Setting up LaTex with TextMate: http://plesslweb.ch/2007/04/02/setting-up-latex-on-mac-os-x/

  5. Christoph Kamon

    Da tut sich ja einiges, nicht schlecht!

    Ich bin überrascht zu sehen, dass ich nicht der Einzige bin, der einen langen und steinigen Weg hinter sich hat. Die Kommentare schildern viele Erfahrungen und das ganze in einer Länge, dass man damit schon wieder einen eigenen Beitrag schreiben könnte. Anscheinend ist das also doch ein Thema, das viele betrifft und für das es keine Rundum-Glücklich-Lösung gibt.

    Danke auch für das motivierende Feedback. Damit steht mein nächster Beitrag für das MacVillage schon fix auf dem Plan.

  6. @Christoph

    Vielen Dank für die Links. Da mir ebenfalls Studien- und Diplomarbeit bevorstehen, kann ich diese hervorragenden LaTeX-Anleitungen mehr als gut gebrauchen 🙂

  7. tolle Übersicht.
    hatte ähnlich wie Christoph Kamon den Eindruck dass mein Frust mit Textverarbeitungen ein Einzelproblem wäre.
    Schon erstaunlich dass die Funktionalität wahlweise durch Funktionsüberfrachtung, Performanceprobleme oder irrwitzig aufwendige Einarbeitungszeit bei so einem Basisgebiet wie Textverarbeitung immer noch besteht. Trotz der enormen Steigerung der Hardwarebasis seit Word für Dos !

    zu Mellel: die Beschränkungen bei der Positionierung von Grafiken und die Bevorzugung von Formatvorlagen sehe ich

  8. zu Mellel: die Beschränkungen bei der Positionierung von Grafiken und die Bevorzugung von Formatvorlagen sehe ich als Stärke der Lösung.

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