Nichts passiert und viel geklickt

Nichts passiert und viel geklickt

Für viele Videospieler ist momentan nichts nerviger als eine Viralkampagne von Hideo Kojima. Und gleichzeitig scheint auch nichts spannender zu sein. Hideo Kojima ist Chef der Entwicklerschmiede Kojima-Productions und damit unter anderem für den Welterfolg der Videospielserie »Metal Gear Solid« verantwortlich. Und sein Team versteht es bestens viel Rummel um (eigentlich) nichts zu machen, was viele Marketing-Abteilungen neidisch auf die Displays sehen lässt. Gleichzeitig demonstriert die Aktion wunderbar, wie Werbung heute funktionieren kann.

Angefangen hat alles mit einigen gestreuten Twittermeldungen. Der Meister produziert ein neues Spiel und niemand weiß genau, was es werden wird. Als Gerücht wurde die »Nachricht« von allen Newsseiten und Blogs dankend aufgenommen. Damit war die Neugier geweckt. Und damit der Viralkampagne nicht langweilig wird, setzte man kurze Zeit später einen drauf und veröffentlichte eine zweiseitige Anzeige in der größeten Videospielzeitschrift Japans, der Famitsu. Bilder der Anzeige wurden per Handy-Schnappschüsse sofort weltweit per E-Mail, Twitter und in Blogs verteilt. Damit erweiterte Kojima-Productions die Reichweite der Anzeige enorm. Vermutlich hat Kojima das teure Printmedium nur gewählt, um Fakes auszuschließen und das Gerücht offiziell zu machen? Auf dem Doppelseiter selbst war nur ein Bild, ähnlich dem Aufmacher dieses Artikels, zu sehen und ein Datum, zu dem man weitere Informationen erwarten darf.

Weitere Informationen kamen dann einige Tage später in Form einer Homepage. Auf ihr zu finden das besagte Bild aus der Printanzeige und ein Countdown für den nächsten Termin. Auch damit sicherte sich Kojima wieder die besten Einschaltquoten auf Newsseiten und Blogs. Für etwas Rummel zwischendurch sorgten einige Schlüsselwörter im Quelltext: Hideo Kojima, MGS,METAL GEAR, NEXT, game, konami, kojima game, KJP, Kojima Production. Nach Ablauf des Countdowns stürmten die Fans erneut die Webseite … um einen neuen Countdown vorzufinden, der momentan noch Live zu begutachten ist. Und selbst bei der Wiederholungstat war die Homepage wieder Gesprächsthema des Tages.

Verraten hat Kojima hingegen noch nichts offizielles. Und auch der Aufwand hält sich in Grenzen. Dafür überschlagen sich die Diskussionen und Vermutungen, was die Entwickler nun wirklich aus dem Hut zaubern. Das es vermutlich das naheliegendste ist, nämlich Metal Gear Solid 5, stört dabei die Wenigsten. Das Mitfiebern steht im Vordergrund, bis am Schluß die große Bombe platzt. Für die Nachrichten muss Kojima gar nicht mehr sorgen, dass übernehmen die Spieler mittlerweile selbst. Man muss nur hin und wieder einen Stoß in die richtige Richtung geben. Da wird mir eines klar: Man bräuchte Fans, nicht Kunden.

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