Revolution der Besitzkultur (Teil 2)

Revolution der Besitzkultur

In Kürze tritt mit »Comes With Music« die erste echte Musikflatrate an, Nokias Versuch, durch ein neues und reizvolles Content-Angebot seine Hardware zu vertreiben. Egal wie die Erfolgsaussichten zu bewerten sind (wohl eher mittelmäßig wegen des doch noch vorhandenen DRM), es wurde damit ein Stein ins Rollen gebracht, der nicht mehr aufzuhalten sein wird, ich hatte schon darüber berichtet.

Nun konnte man in den letzten Tagen in verschiedenen Medien (z.B. bei heise) eine dpa Meldung lesen, nach der Vodafone ebenfalls eine Musik-Flatrate in der Pipeline hat. Diese Flatrate soll noch ein Stück weitergehen und die Lieder ohne jegliches DRM im mp3-Format zum Download anbieten. Nach eigenen Angaben hat Vodafone dazu bereits Verträge mit EMI, Independent Labels, Universal Music und Sony Music unterzeichnet und damit das Angebot im Vodafone Music Shop auf etwa 1 Mio. Titel ausgebaut. Der Shop an sich ist ja nicht weiter spektakulär und ärgerlicherweise (wie auch bei Nokia) Windows-Usern vorbehalten. Wenn auf diese Musikdatenbank allerdings eine Flatrate gesetzt wird, die mit 10 Euro im Monat auch noch durchaus erschwinglich ist, macht Vodafone einiges richtig, wo Nokia noch auf halbem Wege stehen geblieben war.

Seit Jahren predigen die Kenner der Netzkultur dass das einzige Mittel gegen illegales Filesharing ist, das Phänomen zu akzeptieren, die Kröte zu schlucken und zu überlegen wie sich ein Geschäftsmodell daraus machen lässt. Wenn ich nun für einen kleinen Betrag Zugriff auf die Datenmengen habe, die ich von torrent-Netzwerken und rapidshare gewohnt bin, dazu aber eine komfortable Oberfläche bekomme, kein schlechtes Gewissen mehr haben muss und mir dazu noch sicher sein kann, keine virenverseuchten Daten zu erhalten, werde ich zugreifen. Dieser Weg ist der richtige, so und nur so kann es funktionieren.

Eine elegante Möglichkeit, einem überbordernden Tausch vorzubeugen gibt es schon seit 2007 und es bleibt abzuwarten, ob Vodafone davon bereits Gebrauch machen wird: das digitale Wasserzeichen. Eine vom Darmstädter Fraunhofer Institut für Sicherheit in der Informationstechnologie entwickelte Erweiterung des mp3-Formates, bei dem über unhörbare Frequenzmodulation Informationen über die Identität des Käufers eines Titels in die Datei eingebettet werden. Der kann mit der Datei dann weiterhin alles machen, sie durchaus auch an Freunde weitergeben oder brennen, wird sich aber 10 Mal überlegen ob er sie in einer Tauschbörse stellen wird. Sicher, auch das werden findige Köpfe irgendwie umgehen können, aber das wäre ein Randphänomen wie Geldfälschung. Diese beiden Wege, vielleicht noch in Kombination, sind ökonomisch und kulturell erfolgversprechend und sollten auch dem irgendwann anstehenden Umbruch auf dem Buchmarkt als Vorbild dienen (eine Diskussion dazu findet hier statt). Der kann nur hoffen, dass sich z.B. Adobe etwas ähnliches für sein PDF-Format einfallen lässt.

Hier geht es zum ersten Teil und zum dritten Teil der Serie »Revolution der Besitzkultur«.

  1. So richtig Deine Ausführungen sind, bleibt eine wesentliche Frage nach wie vor offen: Was ist der Anreiz für Künstler weiter ihrer Arbeit nachzugehen?

    Wer für sein Schaffen (egal ob Musik, Literatur, Film, Software oder anderes) nicht entlohnt wird, muss sich überlegen ob er diesen Weg weitergehen möchte. Zu versuchen, auf anderen Wegen auch noch Geld zu verdienen, kann schnell zu einem kreativen Tief oder schlicht Zeitmangel für die Kunst führen.

    Und unterm Strich wollen wir Konsumenten mit unserem Verhalten ja auch nicht erreichen, dass das qualitativ hochwertige Angebot eingeschränkt wird, oder?

    Mir stellt sich daher nachwievor die Frage wo die Anreize und Lebensgrundlagen für Kreative sein sollen wenn Flatrate-Modelle dazu führen, dass das einzelne Werk u.U. nur noch wenige Cent wert ist. Wenn ich bspw. meine 10 Euro/Monat nutze um mir 100 Songs runterzuladen.

  2. Klar, das ist natürlich eine Sichtweise der Geschäftsmodelle die ich da eröffne. A la „welches Geschäftsmodell wird funktionieren?“. Die Frage „Was hat der Künstler davon?“ bleibt hier offen. Aber es gibt ja die These, dass Musiker ihr Geld mal anders verdienen werden müssen. Über Konzerte, über Merchandising, über Special Editions. Vielleicht auch über ein neues Verteilungsmodell der Flatrategelder. Z.B. stelle Dir eine Flatrate von last.fm vor wo die Gelder je nachdem verteilt werden wie oft ein Song gescrobbelt wurde. Aber schwierige Frage, ja …

  3. Pingback: Warum eine Kulturflatrate Kreativität gefährdet - Niveau ist keine Creme

  4. Danke für den interessanten Beitrag! Gerd Leonhard bringt die angesprochenen Grundsachverhalte für Musiker und andere Inhalte-Ersteller auch immer gut auf den Punkt – bspw. hier: http://leanderwattig.de/index.php/2009/05/01/der-weg-zum-erfolg-im-internet-fur-inhalte-ersteller/

  5. Sehr spannender Mann. Habe das Buch von ihm mal überflogen, steile aber durchdachte Thesen. Danke für den Hinweis!

  6. Von Leonhard kenn ich immer nur solche Videos und Kurzfassungen. Ich muss mich wohl mal hinsetzen und das Buch komplett lesen. Danke für den Tipp auf jeden Fall!

  7. Pingback: Suburb@MacVillage » Revolution der Besitzkultur (Teil 1)

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