Revolution der Besitzkultur (Teil 1)

Revolution der Besitzkultur

In Großbritannien gibt es das schon, in Österreich und der Schweiz auch, ab Mai ist Deutschland dran. Nokia wird ab dem 8. Mai 2009 die radikale Musik-Flatrate »Comes With Music« auf den Markt werfen und die funktioniert so: man kaufe eines der vier neuen Nokia-Handys, das 5800 XpressMusic, das 5630 XpressMusic, das N79 oder das N95 8GB für etwa 400,- Euro. Das geht allerdings nur über den Provider mobilcom-debitel, was einen 24-monatigen Vertrag mit 24,95 Euro zur Folge hat, dazu kommen nochmal 10,- Euro Datentarif. Happig. Das steht natürlich so nicht auf der ansonsten hübsch aufgemachten und aufwändigen Flash-Seite.

Und was hat man nun davon? Eine Menge, nämlich Zugriff auf eine Datenbank mit rund fünf Millionen Songs und das für ein Jahr. Die lassen sich auf das Handy oder den PC herunterladen und zwar alle und ohne Kopierschutz im mp3-Format. Wow. Stimmt aber nicht ganz. Die WMA-Dateien kommen geschützt mit dem DRM-System »Windows Media DRM« von Microsoft. Auf anderen Mobiltelefonen als den vier genannten Nokia-Geräten oder dem Windows-PC können die Songs nicht abgespielt werden. Wer die heruntergeladene Musik auf CD brennen möchte, muss für jeden Song eine »Brenngebühr« von einem Euro zahlen. Gut, es gibt ja auch andere Mittel und Wege … Auf jeden Fall hat Nokia dafür Deals mit Universal Music, Sony BMG und Warner Music abgeschlossen. Erstaunlich, aber nach Einschätzung des britischen Guardian für die Musikriesen profitabel. Die Künstler wurden natürlich nicht gefragt und es ist für kleinere Labels sicher sehr ärgerlich, die haben keine Chance in so einen Deal reinzukommen.

Nokia tritt damit aber nur ökonomisch betrachtet gegen die Mitbewerber Deutsche Telekom (Musicload) und Apple (iTunes) an, wie von heise analysiert. Das Konzept jedoch ist revolutionär anders. Ich kann theoretisch in einem Jahr alle 5.000.000 Lieder herunterladen und nach Ablauf dieses Jahres behalten, brennen, was auch immer. Das gab es bisher noch nicht in dieser Form. Offenbar akzeptiert die Musikindustrie, dass sich nicht nur das Format, sondern die komplette Besitzkultur im digitalen Zeitalter ändert. Der Preis mag für die jüngere Zielgruppe noch einen Tick zu hoch sein, aber das ändert nichts an der Qualität der Idee, die ein bisschen an die von den Grünen vorgeschlagene Kulturflatrate erinnert. Einmal zahlen, alles haben. Auch wenn die Handys von Nokia nicht jedermans Geschmack treffen dürften – mit »Comes With Music« könnte ein Stein ins Rollen gebracht worden sein, der sich nicht mehr aufhalten lässt.

Hier geht es zum zweiten Teil und zum dritten Teil der Serie »Revolution der Besitzkultur«.

  1. Seh ich das richtig das man dann gratis Zugriff auf http://music.nokia.de hat? (Die im übrigen offiziell nur mit Win XP erreichbar ist.) Wenn ja, dass ist ja ne beachtliche Datenbank wo es nicht nur den Chartsmist gibt sondern auch viel „Alternatives Zeug“.

  2. So ist es, der Nokia Music Store richtet sich wirtschaftlich natürlich direkt gegen den iTunes Music Store (siehe z.B. http://tinyurl.com/d6q3q9 oder http://tinyurl.com/cx3u6w). iTunes müsste als Analogon quasi eine Flatrate auf den iTunes Music Store setzen. Und danke für den Hinweis, hatte ich gar nicht gemerkt dass man vom Mac nicht draufkommt. Das ist natürlich total bescheuert von den Finnen.

  3. Pingback: Suburb@MacVillage » Revolution der Besitzkultur (Teil 2)

  4. Pingback: Suburb@MacVillage » Revolution der Besitzkultur (Teil 3)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.