Frühstart mit Jaunty

Das alte iBook G4 fristet seit dem Kauf des Macbook Pro ja eigentlich nur noch ein Schattendasein in meinem Rechnerpark. Da Netbooks nun aber immer mehr im Kommen sind, ist es an der Zeit, den alten Weggefährten wieder zu reaktivieren. Gut, es ist etwas größer und auch etwas schwerer als die aktuellen Modelle und von der Leistung kann es auch nicht so ganz mithalten, aber für das geforderte Anwendungsprofil (mobiles Surfen, Mails abrufen, Notizen machen) ist der alte Recke immer noch sehr gut zu gebrauchen.

Doch welches Betriebssystem darf es denn sein? Das aktuelle Mac OS X lässt sich zwar mit einigen Tricks klaglos installieren, ist aber für den Gebrauch im Alltag dann doch etwas zu träge. Nach einigen Versuchen mit Fedora, die ich ziemlich schnell wieder eingestellt habe (ich bin einfach nicht für RPM-Distributionen gemacht), bin ich schlussendlich wieder bei Ubuntu gelandet. Da Intrepid in meinen Augen nicht der große Wurf ist, Hardy auf der anderen Seite dann aber doch etwas veraltet für eine Spielwiese ist, habe ich mich dafür entschieden, auf den momentanen Entwicklungszweig Jaunty zu setzen. Normalerweise teste ich ja die aktuelle Entwicklungsversion nie vor Erscheinen der Beta, aber in diesem Fall erschien mir der Umstieg so reizvoll (und das Risiko vergleichbar gering), dass ich es einfach gemacht habe. Ich würde es dennoch keinem mit gutem Gewissen empfehlen, bereits jetzt auf Jaunty umzusteigen, erst recht nicht auf einem Produktivsystem und/oder ohne solide Linuxkenntnisse.

Der PowerPC-Zweig ist ja bekanntlich von Canonical seit einiger Zeit nicht mehr unterstützt. Umso erstaunlicher ist es, dass es für Jaunty wieder tagesaktuelle funktionierende Live-CDs zum Testen gibt. Diese lässt sich allerdings nur mit dem Bootparameter video=ofonly zu einer grafischen Oberfläche bewegen, während nach der Installation der Parameter nicht mehr benötigt wird. Die Installation läuft flüssig und ohne bemerkenswerte Vorkommnisse ab, die grundlegende Hardware wird gut unterstützt.

Nach der Installation zeigt sich trotz des Alphastatus bereits ein sehr rundes Bild von Jaunty. Für die WLAN-Karte »Airport Extreme« mit dem BCM 4306-Chip muss lediglich das Paket b43-fwcutter installiert werden, der Rest passiert automatisch. Die WPA-Passphrase kann jetzt sogar richtig eingegeben und muss nicht mehr hex-kodiert werden (ja, man darf sich auch über Kleinigkeiten freuen). Die Desktop-Effekte funktionieren leider nicht, was ein verschmerzbarer Verlust ist, da Metacity auch grundlegende Compositing-Eigenschaften hat, so dass man z.B. auf Docky oder Transparenzen nicht verzichten muss. Das neue USplash-Bootlogo und der Loginscreen gefallen mir ebenfalls sehr gut (wobei ich auch schon negative Meinungen dazu gehört habe).

Begeistert bin ich von der automatischen Anpassung der Schrifteinstellungen an das Display, endlich fällt das manuelle Umstellen nach der Installation weg. Lediglich die Schriftgröße muss ich noch von Hand anpassen, da ich bis jetzt noch keine Mehrheit hinter der Schriftgröße 8 als Standardeinstellung versammeln konnte (ok, ich habe auch noch nicht versucht, eine Mehrheit zu finden). Die Notifications halte ich jetzt dagegen nicht für die Rieseninnovation, eher für eine nette Ergänzung.

Einmal musste ich bis jetzt manuell in eine Textdatei greifen. In Ermangelung einer zweiten Maustaste muss man zur Aktivierung der rechten Maustaste mit Apfel-Klick in der Datei /etc/default/mouseemu diese Zeile hinzufügen:

RIGHT_CLICK="-right 125 272"

Den Recovery Modus habe ich auch bereits einmal gebrauchen müssen, da mir ein Update während der Durchführung eingefroren ist und die grafische Oberfläche anschließend nicht mehr richtig startete. Schön ist, dass es im Recovery Modus jetzt ein Auswahlmenü gibt, das eine Rootkonsole mit aktiviertem Netzwerk zur Verfügung stellen kann. Das reduziert den Aufwand einer Reparatur nach Updatefehlern doch erheblich.

Bis jetzt habe ich noch keine Funktion vermisst, die nicht unterstützt wurde. Suspend-to-RAM (Standby) funktioniert einwandfrei – auch über längere Zeiträume (mehr als 8 Stunden) – und die von mir verwendeten Programme sind ebenfalls alle da und funktionieren mit den Profilen, die aus einem Backup des Macbook Pro wiederhergestellt wurden. Wenn ich das mit der Einrichtung von Feisty damals vergleiche, liegen da Welten dazwischen. Ich glaube, Jaunty wird ein richtig gutes Release.

  1. Interessanter Bericht, vielen Dank. Ich bin mir jedoch sicher, dass du heute dein iBook G4 nicht mehr brauchst 😉

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