Das Alter und die Ungeduld

Mit der Zeit sammelt man ja so einiges an Hardware an. So findet sich denn nun auch ein alter Canon Canoscan N670U in der Grabbelkiste, an den man sich erinnert, wenn man nach Jahren mal wieder Bedarf hat, ein Stück Totholz zu digitalisieren. Eine kurze Recherche lässt die Erkenntnis wachsen, dass es weder für Mac OS X noch für Windows aktuelle Treiber gibt, also muss eine andere Lösung her. Mit Ubuntu hat es damals™ ja problemlos geklappt, also muss das ja heute auch noch gehen.

Blöderweise ist momentan zufälligerweise kein Ubunturechner im Haus, also geht es erstmal an die Erstellung eines USB-Sticks, mit dem man Ubuntu auf dem Retina Macbook (MacBookPro10,1) booten kann. Eine kurze Recherche bei der Suchmaschine meines Vertrauens ergibt, dass man dazu den Inhalt des Images per dd auf den Stick befördern muss, da der Startup Disk Creator für diesen Zweck versagt. Aber auch diese Hürde wird schnell genommen. Ein frisches, vom Stick gebootetes Ubuntu sitzt vor mir und lächelt mich an.

Der Scanner wird vom System auch brav erkannt, doch leider bleibt er auch in dieser Konstellation stumm. An diesem Punkt schlägt dann die Altersungeduld gnadenlos zu. Die Digitalkamera und eine ruhige Hand sind zwar eine unprofessionellere, aber dafür deutlich effizientere Alternative.

Nach Hause telefonieren

Gerüchteweise hatte ich ja schonmal davon gehört, dass man seit Lucid Lynx ohne lange Installations- und Konfigurationsorgien auf die Musik und die Fotos des iPhone zugreifen können soll. Merkwürdigerweise ging das bei mir nie so richtig. Jedes Mal, wenn ich das iPhone einsteckte, passierte überhaupt nichts. Ich zweifelte schon an den Fähigkeiten meines (nicht-gejailbreakten nicht-jailgebreakten ach egal) iPhones, als ich über die viel zu einfache Lösung stolperte:

Das iPhone muss beim ersten Einstecken entsperrt sein (Alternativ kann man das ausgeschaltete iPhone auch bei eingestecktem Kabel einschalten, aber das ist eine andere Geschichte). Beachtet man diese kleine Randbedingung, taucht das iPhone ordentlich auf und man kann auf die Medien des iPhones einfach zugreifen. Leider fehlt mir noch eine Möglichkeit, direkt das Adressbuch meines favorisierten Mailclients Thunderbird mit dem iPhone zu synchronisieren.

Und da ich seit gestern auch im Besitz eines iPads bin (jaja, ich weiß, Schande über mein Haupt), konnte ich es mir nicht verkneifen, auch dieses Gerät mal mit Lucid zu verbinden. Und siehe da, auch das iPad wird ordentlich erkannt und man kann bequem und ohne Umstände auf die auf dem iPad gespeicherten Medien zugreifen. Jetzt fehlt neben der Synchronisation von Kontakten und Terminen nur noch ein Programm für Backup und Wiederherstellung des iPad/iPhone.

Alles neu macht der April

Vorneweg: Don’t try this at home! (Es sei denn, du bist erfahrener Benutzer und weißt, auf was du dich einlässt)

Nachdem das nun gesagt ist, darf ich stolz verkünden, dass mein MacBook Pro 3,1 problemlos mit Lucid Lynx läuft. So ziemlich alle Teile rennen out-of-the-box. Beim Test mit der Live-CD ging der Sound nur in 50% der Boots und die Installation brauchte auch drei Versuche, bis sie klappte. Umso erfreulicher ist es, dass die installierte Fassung nun problemlos läuft. Selbst der Sound klingt einwandfrei und lässt sich auch viel lauter drehen als gewohnt.

Das Touchpad benötigte einige Anpassungen, um meinen Gewohnheiten gerecht zu werden. Diese konnte ich jedoch bequem mit GSynaptics vornehmen. Vom neuen, kontrovers diskutierten Design bin ich begeistert und werde jetzt wohl eine Weile auf das Radiance-Theme statt des gewohnten Dust Sand setzen. Und hier noch ein kleines Bildchen meines taufrischen neuen Desktops:

Das iPhone synced in die Ubuntu-Wolke

Während die iPhone-Welt auf die OS 4-Vorschau blickt, spendiert Canonical noch ein paar Alpha-Freischaltungen für den neuen Kontakt-Synchronisationsdienst, der ab April in Verbindung mit einem Ubuntu One-Konto zur Verfügung stehen soll. Der in Kooperation mit Funambol entstandene Dienst wird lediglich zahlenden Ubuntu One-Kunden zur Verfügung stehen. Für 8 Euro im Monat bekommt man neben dem Zugang zu dem Synchronisationsdienst noch 50GB Speicherplatz. Um zweifelnden Interessierten die Entscheidung etwas zu erleichtern, startet mit der Freigabe von Ubuntu 10.04 (Lucid Lynx) am 29.04.2010 ein 30-tägiger Testzeitraum, in dem der Dienst kostenfrei zur Verfügung stehen wird.

Evolution kann unter Ubuntu Lucid Lynx bereits direkt mit dem Kontakt-Sync arbeiten. Mailprogramme, die nicht über diese Fähigkeit verfügen, greifen über die Funambol-Plugins in die Ubuntu-Wolke. Da diese auch für Programme wie Microsoft Outlook oder das Mac OS X-Adressbuch zur Verfügung stehen, stellt selbst die verwendete Plattform kein wesentliches Hindernis mehr dar.

Auf dem iPhone gibt es wiederum eine eigene Anwendung, die man sich kostenfrei aus dem App Store beziehen kann. Die Oberfläche des Programms kommt recht spartanisch, jedoch sehr funktional, daher. Ein zugegeben recht großes Knöpfchen zum Starten der Synchronisation startet den Flug der Kontakte in die Wolke.

Vor der ersten Synchronisation muss man natürlich seine Benutzerdaten eingeben, damit die Kontakte auch auf dem richtigen Wölkchen landen. Die Benutzerdaten sind dabei jedoch nicht die Anmeldedaten des Ubuntu One-Kontos, sondern müssen erst manuell unter https://one.ubuntu.com/phones/ (unter Verwendung des Ubuntu One-Kontos) generiert werden. Hat man diese Hürde gemeistert, ist der Sync-Vorgang selbst ziemlich unspektakulär und funktioniert bei einem ersten Test im MacVillage tadellos.

Natürlich ist der Synchronisationsdienst nicht auf iPhones beschränkt, sondern für viele Handymodelle verfügbar. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem neuen Dienst sind in der PhoneSync FAQ zusammengefasst.

Lesetipp – Einsteigerserie bei macfidelity

Heute bin ich über eine lesenswerte Artikelserie bei macfidelity gestolpert: Der Ubuntu Einstieg mit Mac-Brille. Darin wird anschaulich und mit vielen Bildern der Einstieg in Ubuntu aus der Sicht eines Mac-Benutzers beschrieben. Die Installation erfolgt in einer virtuellen Maschine, eine Entscheidung, die wohl für die meisten Einsteiger, die nur mal in Ubuntu »reinschnuppern« möchten, eine empfehlenswerte ist, übrigens auch für Windows-Einsteiger. Danach werden ziemlich detailliert die ersten Schritte im neuen System beschrieben und immer wieder Vergleiche zu OS X gezogen, was für Einsteiger sicherlich bei der ersten Orientierung sehr hilfreich ist.

Ich denke zwar, dass es schon sehr viele Einsteiger-Tutorials im Netz gibt, aber dieses ist doch sehr schön gemacht und ziemlich gut auf die Zielgruppe zugeschnitten. Ich bin gespannt, wie sich die Serie fortsetzt und hoffe, dass sie einige dazu anregt, sich vom »Ubuntu-Virus« anstecken zu lassen 😉

Game over für Linux

Unsere PS3-Sektion hat es ja schon verkündet: Nachdem die PS3 Slim bereits keine Linux-Unterstützung mehr bekommen hatte, wechselt Sony nun endgültig wieder auf die dunkle Seite der Macht und stellt am 1.April die Linux-Unterstützung für alle Playstation 3-Modelle über ein Firmware-Update ab. Offiziell wird der Schritt mit Sicherheitsbedenken begründet, doch schon der direkt darauf folgende Satz in der Ankündigung lässt vermuten, dass es noch weitere Bedenken gegeben haben könnte.

Erntete Sony bei der Markteinführung der PS3 mit der Möglichkeit zur Linux-Installation noch viel Beifall, kamen schnell auch die Grenzen der Linux-Unterstützung ans Tageslicht. So beschränkte Sony von Anfang an den Zugriff auf die Hardware, um die Möglichkeit der Linux-Installation dann bei der PS3 Slim ganz zu entfernen. Schließlich also das komplette Aus für alle PS3s. Nicht wenige vermuten, dass bei der Entscheidungsfindung der Hypervisor-Exploit eine nicht unerhebliche Rolle gespielt haben könnte. Der Entwickler des Exploits hat jedenfalls schon angekündigt, an einer Möglichkeit arbeiten zu wollen, das OtherOS-Feature in der aktuellen Firmware-Version zu reaktivieren.

Da nach einem Upgrade auf die Firmware 3.21 kein Zugriff auf die Linux-Partition mehr möglich ist, wird allen PS3-Besitzern dringend empfohlen, ihre Daten in Sicherheit zu bringen. Alle, die Linux auf ihrer PS3 weiter benutzen wollen, dürfen das Firmware-Upgrade nicht einspielen. Dies hat dann allerdings auch zur Folge, dass der Zugang zum Playstation Network nicht mehr möglich ist, der immer nur mit der aktuellen Firmware-Version aktiviert werden kann.

Adobe hat kein PPC Flash-Plugin!

In letzter Zeit stoße ich oft auf Forenbeiträge, in denen nach einem Adobe Flash-Plugin für die Playstation 3 oder für ältere PowerPC-Macs gefragt wird. Manchmal gibt es gut gemeinte Antworten, die auf die entsprechenden Adobe-Pakete in der Paketverwaltung hinweisen. Das kann jedoch nicht funktionieren.

Um es noch einmal klar zu sagen: Es gibt kein Flash-Plugin von Adobe für die PowerPC-Architektur!

Man hat auf einer PS3 oder auf älteren Macs dennoch mehrere Möglichkeiten, Flash-Videos zu schauen:

Keine der genannten Möglichkeiten ist optimal, aber die Ideallösung gibt es nunmal nicht.

Schönschriftfondue statt Buchstabensalat

Font icon by Benji Garner, http://benjigarner.deviantart.com/Ein oft geäußerter Pluspunkt von Mac OS X sind die mitgelieferten Schriftarten. Natürlich wollen viele Wechsler zu Ubuntu auch unter Linux nicht auf diese Schriften verzichten. Doch leider benutzt Apple für viele dieser Schriften nicht das TrueType-Format, sondern eine angepasste TrueType-Variante. Das macht die Dateien erstmal unter Ubuntu unbenutzbar. Aber ein einfaches Konsolenprogramm mit dem leckeren Namen fondu verspricht Abhilfe.

Doch zuerst einmal muss man die Schriften ins Ubuntu-System verfrachten. Die Schriften tragen die Dateiendung .dfont und befinden sich im Mac OS X-System in den Verzeichnissen /Library/Fonts und /System/Library/Fonts. Hier sucht man sich die gewünschten Schriften aus und kopiert sie in das Ubuntu-System. Dort installiert man sich den Schriftkonverter fondu mit

sudo apt-get install fondu

Die Schrift kann daraufhin mit dem Befehl

fondu schriftart.dfont

in das TrueType-Format konvertiert werden. Die dabei entstandenen TTF-Dateien kopiert man anschließend einfach in das Schriftenverzeichnis. Schließlich aktualisiert man noch den Schriftencache mit

sudo fc-cache

und schon kann man die gewohnten Schriftarten auch unter Ubuntu genießen. Wem diese dann immer noch nicht genug sind, der kann sich über die Paketverwaltung noch weitere Schriftarten installieren. Das ubuntuusers-Wiki hält auch dazu weitere Informationen bereit.

Ein @ wäre schon super

Apple-Rechnern fehlt in der Mobilversion nicht nur eine Maustaste am Touchpad. Auch die AltGr-Taste, die bei PCs für die Drittbelegung der Tasten zuständig ist, fehlt bei den mobilen Begleitern. Damit kann man beispielsweise so schöne Zeichen wie @ (in Kombination mit der L-Taste) oder eckige Klammern (in Kombination mit den Zahlen 5 und 6) erzeugen. Während man unter OS X die Alt-Taste für diese Aufgabe benutzt, ist die Alt-Taste unter Ubuntu meistens schon für alternative Tastenkombinationen belegt.

Um die gewohnten Tastenkombinationen nicht gänzlich neu erlernen zu müssen, wird der Third Level Chooser dann oft auf die Apfel-Taste (oder allgemein: Super-Taste) gelegt, die direkt neben der Alt-Taste liegt. So drehen sich die Funktionen der Apfel- und der Alt-Taste in Ubuntu gegenüber den Funktionen in OS X einfach um und der Gewöhnungseffekt ist nicht ganz so schlimm.

Leider funktioniert das in Karmic Koala nicht so ganz. Ein Bug verhindert, dass die Apfel-Taste die Funktion des Third Level Choosers übernehmen kann. Damit hat man dann zwei Möglichkeiten:

  • Man bestimmt die Taste »Enter key on keypad« als Third Level Chooser und muss mit der Umgewöhnung leben
  • Man installiert sich einen Patch für das Paket xkeyboard-config aus diesem PPA

Auch wenn ich normalerweise nicht auf die Installation von Paketen aus Fremdquellen stehe, favorisiere ich in diesem Fall doch das angepasste Paket. Der Mensch ist schließlich ein Gewohnheitstier.