Playstation VR – Teures Spielzeug oder Spielerevolution?

Playstation VR – Teures Spielzeug oder Spielerevolution?

Für den einen verpixeltes 3D für mehr als 400 Euro? Für den anderen das intensivste Spielerlebnis seit Jahren? Und funktioniert die PlayStation VR auch unter macOS?

Der Einstieg in die Welt der Playstation VR kostet den Spieler mindestens 400 Euro. Sofern bereits die PlayStation 4 und die passende Kamera (ca. 60 Euro) vorhanden sind. Optional könnte man noch ein bis zwei Move-Controller einplanen, die jeweils mit ca. 40 Euro zu Buche schlagen. Wer aber damals auf den PlayStation Move »Hype-Train« mit aufgesprungen ist, hat eventuell die passende Hardware noch irgendwo im Keller liegen und kann sich jetzt freuen, dass sie nicht verscherbelt wurde.

Playstation VR – Tragekomfort

Für die Investition bekommt man dann eine VR-Brille mit einen 5,7 Zoll OLED-Bildschirm und 1920 x 1080 Bildpunkten Auflösung. Sony verspricht ein ca. 100 Grad Sichtfeld und 120 Bilder pro Sekunde. Dazu kommen 3D-Audio, ein integriertes Mikrofon und *Trommelwirbel* ein Klinkenstecker für den Kopfhörer. Die VR-Brille ist sehr wertig verarbeitet, mit ca. 610 Gramm noch relativ leicht und – meinem Empfinden nach – bequemer zu tragen als die Kollegen Oculus Rift und HTC Vive. Das liegt vor allem an den dicken Polsterrungen und allgemeinen Einstellungsmöglichkeiten. Auch nach einigen Stunden Spielzeit wird die Brille auf dem Kopf nicht zu schwer und es gibt keine Druckstellen im Gesicht.

PlayStation VR Brille
Bügelsystem, Einstellungsmöglichkeiten und Polsterungen sorgen für einen guten Tragekomfort
Lieferumfang PlayStation VR
Der Lieferumfang der PlayStation VR zeigt, mit welcher Verkabelung man rechnen muss …

Playstation VR – Kabelchaos

Ein eher unschöner Punkt der PlayStation VR ist das notwendige Kabelchaos. Wer versucht sein Wohnzimmer möglichst frei von sichtbaren Geräten und Kabeln zu halten, findet mit der VR-Brille eine neue Herausforderung. Neben der Brille gehört auch eine Set-Top-Box zum Lieferumfang. Diese Box wird per HDMI-Kabel zwischen PlaySation 4 und Fernseher geschaltet, sozusagen als Splitter. Einen Stromanschluss benötigt die Box natürlich auch, ebenso wie eine zusätzliche USB-Verbindung zur PS4. Von der »Kabelkrake« aus geht dann ein weiteres, langes Kabel direkt zur VR-Brille. Damit kommen einige Meter Stolperfallen zusammen. Am Kabel hin zur Brille ist dann noch ein kleines Kästchen mit vier Knöpfen integriert. An dem Kasten lässt sich ein Kopfhörer anschließen. Über die Tasten kann die PlayStation VR ein- und ausgeschalten werden und die Lautstärke des Kopfhörers wird geregelt.

Lasst die Spiele beginnen …

Und nun? Spielerevolution oder teures Zubehör? So ein bisschen was von beidem dürfte die vielleicht unbefriedigende Antwort sein. Wer noch nie eine VR-Brille im Einsatz hatte, wird erstmal für einige Stunden wie »weggeblasen« vor dem Fernseher sitzen. Und das völlig zurecht. Denn was die virtuelle Realität hier abliefert ist durchaus beeindruckend, auch wenn man sich die Technik jetzt schon ein paar Jahre weiter wünscht. Zumindest wenn es um die Grafikqualität geht.

Ein guter Einstieg ist das Spielepaket »PlayStation VR Worlds« von Sony. Für ca. 40 Euro gibt eine ganze Reihe an Minispielen und »Videodemos«. Zum Beispiel »Ocean Descent«, in der man in einem Tauchkäfig langsam Richtung Meeresgrund abgelassen wird und jede Menge Zeit zum Beobachten der Fauna hat. Mehr als staunen und sich umsehen macht man in dem »Spiel« zwar nicht, aber »Ocean Descent« dürfte der perfekte Titel sein, um die Qualität und Funktion der VR zu demonstrieren. Sind Besucher im Haus, die wissen wollen wie sich eine VR-Brille anfühlt, ist der Tauchkäfig also der geeignete Kandidat.

Ocean Descent – PlayStation VR
Ocean Descent – Begegnung mit dem Hai

Wer zwei Move-Controller sein Eigen nennt, sollte sich danach umgehend an »The London Heist« machen. Allein auf dem Trainings-Schießstand kann man schon Stunden verbringen, seine Highscore in den Weltranglisten steigern und sich über die gelungene Move-Steuerung freuen. Mit »Scavengers Odyssey« ist dann noch eine einfach gestrickte – aber optisch durchaus sehenswerte – Weltraumballerei mit am Start. Das Sportspiel »Danger Ball« und das eher monotone Rennspiel »VR Luge« konnten bei mir nicht so wirklich zünden. Wenn es um Rennspiele geht bleibt derzeit wohl nur »Drive Club VR«, welches allerdings mit schlechten Bewertungen zu kämpfen hat. Aber hey, das Spiel kam diesmal wenigstens wie angekündigt pünktlich zum Release der VR und nicht mit mehr als einem Jahr Verspätung.

Neben Sonys Spielesammlung gibt es natürlich noch weitere interessante Titel. Meine Highlights sind bisher das Horrospiel »Here They Lie«, der Weltraum-Shooter »EVE: Valkyrie« und »Batman: Arkham VR«. Alles Spiele haben aber (noch) eins gemeinsam: Sie fühlen sich zwar super an, teilweise hat man aber den Eindruck sie sind …

… Tech-Demos mit kurzer Spielzeit

Die kurze Spielzeit einiger Titel fällt hauptsächlich deswegen auf, da sie zum Vollpreis von 50-60 Euro an den Mann gebracht werden. Zudem verlieren manche Games nach den ersten Überraschungseffekten der VR-Brille ein wenig ihren »Drive«. Die Spielkonzepte sind eben oft noch recht einfach gestrickt. Dazu kommt, dass man sich an die »Aha-Effekte« gewöhnt und nach den ersten paar Spielen schon etwas mehr passieren muss, damit man wieder staunend in die Brille schaut.

Die Spiele sind zwar allesamt durch das VR-Erlebnis beeindruckend, einen richtigen »System-Seller« gibt es aber noch nicht. Vor allem storygetriebene Games dürften auf der PlayStation VR aber eine rosige Zukunft haben. Deswegen freuen wir uns schon sehr auf »Robinson« von Crytek, da das VR-Spiel vorab schon einen guten Eindruck gemacht hat, den das Endprodukt hoffentlich bestätigen kann.

Ich würde mir außerdem den ein oder anderen Lightgun-Shooter für die VR zurückwünschen. Wie wäre es mit einem neuen »Time Crisis« oder »The House of the Dead«? Auch weitere Horrorspiele dürften sich gut machen. Und warum nicht auch noch ein lineares Uncharted, oder mal ein rundenbasiertes RPG? Bis wir als Geralt von Riva das Schwert schwingen können, wird es vermutlich noch etwas dauern.

PlayStation VR unter macOS nutzen

Sonys VR-Brille lässt sich auch mit anderer Hardware, wie der Xbox One, Nintendos Wii U oder einem PC, koppeln. Selbst macOS (ab Sierra 10.12.x) macht da keine Ausnahme, auch wenn die Unterstützung eher experimenteller Natur ist. Zumindest der Cinema-Modus lässt sich zum laufen bringen. Das benötigte Stück Software nennt sich »MacMorpheus« und ist über GitHub zu beziehen. Dort findet sich auch das benötigte Diagramm für die Verkabelung zum Mac und ein Demovideo des Entwicklers.

Fazit

Wenn jetzt noch einige Spiele-Blockbuster nachgelegt werden, ist die PlayStation VR ein gelungener Einstieg in die virtuelle Realität. Funktional und qualitativ macht Sony alles richtig. Die VR-Games sind eine willkommene Abwechslung zu den »normalen« Spielen und es wird sicherlich spannend zu beobachten, was in Zukunft noch alles möglich sein wird. Wer sich durch die ganzen »Tech-Demos« durchspielt hat, will definitiv mehr.

Die PlayStation VR wird herkömmlichen Spiele zwar nicht ersetzen, aber es sollte reichen sich so weit durchzusetzen, dass aus der VR kein zweites Move wird. Die Hardware also irgendwann wieder im Schrank verschwindet, weil das Interesse daran abgeflaut ist. Nur das mit den »System-Sellern« muss noch werden. Dann ist die PlayStation VR auch kein teures Spielzeug mehr.

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