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Software

Boot Camp mit Hindernissen

Boot Camp

Natürlich ist mir bewusst dass Boot Camp bei weitem nichts Neues mehr ist. Und genauso ist mir klar, dass sich nicht so wenige Leser fragen, wieso ich dann überhaupt noch einen Artikel verfasse – zurecht! Obwohl man allgemein sagen kann, dass Boot Camp eine verhältnismäßig »deppensichere« Installation von Windows erlaubt, kann man dabei trotzdem auf ziemliche Schwierigkeiten stoßen. Und dabei ist nicht etwa eine schlechte Akkulaufzeit gemeint, sondern wesentlich Schwerwiegenderes.

Mein MacBook Pro basiert auf der »Santa Rosa« Plattform und hat mittlerweile über drei Jahre auf dem Buckel. Abgesehen von einigen Experimenten, wie Boot Camp noch recht neu war, hatte ich die ganzen Jahre immer nur Mac OS X installiert. Für meine Windows-Anforderungen genügte eine virtuelle Maschine mit Windows XP. Diese ziemlich zugemüllte Installation (mit dem schon in die Jahre gekommenen Betriebssystem) wollte ich zunächst durch ein virtualisiertes Windows 7 ersetzen.

Für irgendwelche Kleinigkeiten mag das zumutbar sein, aber um Software zu entwickeln und das System auch zu beanspruchen, braucht Windows 7 einfach zu viele Ressourcen. Wo es sich dank ewigem Festplatten-Gerattere schon im Leerlauf irgendwie zäh anfühlte, hörte sich der Spaß nach dem Starten von Visual Studio endgültig auf. Obwohl mein MacBook über 4GB Arbeitsspeicher verfügt, von denen ich 1,5GB der virtuellen Maschine spendiert habe, war es einfach nicht sinnvoll verwendbar.

Zwar ist ständiges Umbooten auch in gewisser Weise nervig, aber immerhin ist so eine Installation dann halbwegs flott. Deswegen habe ich die Festplatte ein wenig frei geräumt und mit dem Boot Camp Assistenten kostbaren Festplattenspeicher für eine Windowsinstallation geopfert. Eigentlich ist das ja alles keine große Sache, aber hier offenbarte sich gleich ein erster Stolperstein. Während die Daten verschoben und die Partitionsgröße verändert wurde, zeigte mir mein Mac die lange Nase – in Form eines Kernel Panics.

Ein wenig verärgert, aber doch froh, zuvor brav ein Backup erstellt zu haben, habe ich halt neu gestartet … beziehungsweise gebetet, dass er noch hochfährt. Erstaunlicherweise kam das System ganz normal hoch und es gingen nicht einmal irgendwelche Daten verloren. Zur Sicherheit ließ ich das Festplatten-Dienstprogramm noch das Dateisystem überprüfen, aber auch hier war alles in Ordnung. Ein zweiter Versuch, die Partitionstabelle zu veränden, klappte dann anstandslos.

Über den Fehlerbericht, der nach dem Crash für die Apple-Entwickler erstellt wurde, konnte ich auch in Erfahrung bringen, dass der Boot Camp Assistent versucht hatte, die Swap-Datei zu verschieben. Kein Wunder, dass das es da kracht. Somit weiß ich für die Zukunft, dass, neben einem aktuellen Backup, ein Neustart vor der Durchführung solcher Tätigkeiten nicht die schlechteste Idee ist.

Die Windows-DVD wird endlich eingelegt, um die Installation zu starten. Natürlich habe ich mich dabei für die 64-Bit Version entschieden, um meinen gesamten Arbeitsspeicher zur Verfügung zu haben. Ich starte voller Vorfreude von der DVD und … nein ich starte doch nicht davon. Vielmehr bleibt der sich darauf befindliche Windows Bootloader mit der Meldung »Select CD-ROM Boot Type:« hängen. Nach einer kleinen Internetrecherche bin ich schlauer und weiß, dass der Datenträger der 64-Bit Version eine kleine Inkompatibilität mit manchen MacBook-Modellen hat. Großartig …

Die einzige Lösung ist es, alle Daten von der DVD herunter zu kopieren und einen neuen Datenträger zu erstellen. Dazu benötigt man allerdings eine funktionierende Windows-Installation und ein kleines Programm von Microsoft namens »oscdimg.exe«, das Teil des Automated Installation Kit (AIK) ist. Den kompletten Inhalt des originalen Installationsdatenträgers kopiert man beispielsweise in C:WINDVD. Mithilfe des Tools und der von der DVD herunter kopierten Daten lässt sich jetzt eine neues DVD-Image im ISO-Format erstellen. Der Befehl hierfür lautet:

oscdimg -n -m -bC:WINDVDbootetfsboot.com C:WINDVD C:win7.iso

Nachdem das erledigt war, wollte ich mein frisch erstelltes Image zunächst in VirtualBox testen, bevor ich einen Rohling verschwende. Allerdings war es nicht möglich, in der virtuellen Maschine von dieser DVD beziehungsweise ihrem Image zu booten. Nach langem Stöbern im Netz, mehreren weiteren Anläufen und schließlich der Überzeugung, es sicher richtig gemacht zu haben, habe ich einen Rohling riskiert und … siehe da … diese DVD fährt im MacBook ganz normal hoch. Eine Erklärung für dieses Verhalten habe ich leider keine.

Die Installation von Windows 7 selbst lief ohne Probleme durch (immerhin etwas!) und kurz darauf ging es an die Installation der Treiber. Nach dem Einlegen meiner Leopard-DVD erklärte mir eine kleine Meldung, dass Boot Camp auf diesem Computermodell nicht unterstützt wird. Das allwissende Internet konnte mir verraten, dass Boot Camp bei »Santa Rosa« MacBooks offiziell nur 32-Bit Windowsversionen unterstützt.

Boot Camp

Da sich allerdings auch zahlreiche 64-Bit Treiber auf der DVD befinden, ließ ich mich nicht so leicht abschrecken. Im Verzeichnis Boot CampDriversApple konnte ich eine »BootCamp64.msi« ausfindig machen. Da MSI-Dateien kein »Als Administrator ausführen« im Kontextmenü haben, musste ich den Umweg über eine Eingabeaufforderung mit Administratorrechten gehen, konnte aber die Installation erfolgreich durchführen. Alternativ könnte man die Benutzerkontensteuerung (vorübergehend) deaktivieren.

Nach dem obligatorischen Neustart wurde noch ein aktueller Grafikkartentreiber von Nvidias Webseite installiert und anschließend der Benchmark für den Windows »Leistungsindex« ausgeführt, um auch in den Genuss der schönen Aero-Oberfläche zu kommen. Anscheinend wird diese nämlich nur aktiv, wenn eine gewisse Mindestzahl an Punkten beim Benchmark erreicht wurde. Die Hardware ist somit vollständig eingerichtet, sehr gut! Einzig meine Bluetooth-Maus, eine Logitech V470, möchte sich nicht und nicht mit dem Rechner verbinden lassen. Ärgerlich, aber kein Drama … man hat ja schließlich auch noch kabelgebundene Mäuse herum liegen.

Trotz anfänglicher Begeisterung, dass mittlerweile sogar Lesezugriff auf meine Mac-Partition möglich ist, musste ich feststellen, dass mein Benutzerordner von Windows aus leer aussieht. Mein erster Gedanke hier war, dass sich dieser HFS-Treiber an die Dateizugriffsrechte hält. Da ich allen Benutzern, abgesehen von meinem eigenen, unter Mac OS X den Zugriff auf mein Home-Verzeichnis verweigere, wäre das leere Verzeichnis eigentlich korrekt. Da ich aber ein bequemer Mensch bin, habe ich einfach die Zugriffsrechte gelockert.

Der erste zu verbuchende »Erfolg« hier war, dass Time Machine riesige Teile meiner Festplatte neu sichern wollte. Nachdem ewig lange alte Sicherungen zusammen gelegt wurden, kam Time Machine drauf, dass die Platte zu klein ist. Also wurde die Platte formatiert und ein frisches Backup gezogen. Einige Stunden später konnte ich wieder Windows booten und musste feststellen, dass mein Benutzerordner weiterhin leer ist.

Wieder hat das Internet eine Lösung parat. Wie Xiao Yu in seinem Blog schreibt ist eine Datei namens ».Xauthority« der Übeltäter. Sobald man ein beliebiges X11-Programm startet, wird diese Datei, sofern sie noch nicht vorhanden ist, angelegt. Kaum ist die Datei gelöscht, funktioniert auch der Zugriff einwandfrei und ich bin zufrieden. Alternativ kann man an den Pfad im Windows Explorer E:Userschristoph einfach händisch noch einen Ordner der nächsten Ebene dazu schreiben, also beispielsweise Desktop – dann klappt der Zugriff ebenfalls.

Mittlerweile habe ich das System mit allen notwendigen Programmen ausgestattet. Und auch das ewige Rattern der Festplatte, für das Windows-Installationen so bekannt sind, hat sich mittlerweile normalisiert. Nativ ist Windows 7 mitsamt Visual Studio wirklich gut verwendbar, kein Vergleich mit der virtuellen Maschine. Ich denke, dass ich mit der Lösung ganz gut für die nächste Zeit respektive die nächsten Studiensemester gerüstet bin. Bloß hätte ich nicht gedacht, dass der Weg zum Glück ein so Langer und Steiniger ist …

  1. Alles klar, da weiß ich ja was ich noch vor mir habe… ich wollte bei mir auch beide Betriebssysteme installieren, doch bin ich mir jetzt nicht mehr so sicher :-/ Auch Ubuntu hätte ich gerne auf meinem Rechner installiert, doch bin ich mir hier auch nicht sicher…

  2. Ahhh vielen Dank für den für mich sehr hilfreichen Artikel. Ich kenne mich nicht mit Boot Camp so genau aus, hab auch nicht gedacht dass das so schwer ist? Aber müssten mich auch langsam mal bisschen besser ausrüsten. na gut, danke für die Tipps 😉

  3. Daaaaaanke, dass du das mit .xauthority erwähnt hast!
    Musste meine komplette Bootcamp installation neu machen und hatte ewig lang probleme, weißt ja wie das ist, und jetzt häng ich gerade bei dem leerne-bernutzerordner-problem… und ja, auch mit dem erweiterten Pfad klappt es schon 🙂
    Danke!

  4. Das mit der Eingabeaufforderung als Admin um die BootCamp.msi zu starten hat mir den Tag gerettet. Danke 🙂

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