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Mac OS X als VirtualBox-Gastsystem

Mac OS X als VirtualBox-Gastsystem

Während virtuelle Maschinen in den letzten Jahren stark in Mode gekommen sind, hatte Mac OS X stets eine Außenseiterrolle inne. Seit dem Wechsel von Apple auf die Intel-Hardwareplattform ist es immerhin schon problemlos möglich, auf einem Mac diverse andere Systeme zu virtualisieren. Nur der umgekehrte Weg war zunächst blockiert. Nach langem Hin und Her erlaubte Apple es schließlich, dass Mac OS X Server auf einem original Mac-Rechner virtualisiert wird. Meiner Meinung besteht aber durchaus auch bei Leuten, die nicht zufällig eine Serverlizenz besitzen, Bedarf an einem virtualisierten Zweitsystem.

Vor einigen Tagen hat Oracle eine neue Betaversion von VirtualBox veröffentlicht, die von sich behauptet, genau das zu können. Mir ihr lässt sich die normale Clientversion von Mac OS X ohne Tricks und Umwege virtualisieren. Natürlich hat das meine Neugier geweckt und ich habe das Ganze einmal ausprobiert und möchte meine Erfahrungen diesbezüglich gerne teilen.

Noch vorweg: Ich habe keine Ahnung, inwieweit dies von Apple nun erlaubt oder toleriert ist. Aber ich behaupte einfach mal, dass sich das Oracle und Apple ausmachen werden müssen.

Mac OS X als VirtualBox-Gastsystem

Als ersten Schritt habe ich meine alte Version von VirtualBox durch die neue Betaversion ersetzt. Diese trägt die Versionsnummer 3.2.0_BETA3 r61544 und meldet sich bei jedem Start mit einem kleinen Warnhinweis, dass man sie nicht für den Produktiveinsatz verwenden soll. Dann läuft eigentlich alles, wie man es von anderen Installationen in virtuellen Maschinen gewohnt ist. Per Assistent wird eine virtuelle Maschine angelegt, diverse Einstellungen werden getätigt und schlussendlich legt man die Installations-DVD noch ins Laufwerk ein.

Da Mac-Rechner bekanntermaßen auf den BIOS-Nachfolger EFI setzen, dürften die VirtualBox-Entwickler diesbezüglich ein wenig dazu programmiert haben. Nach dem Einschalten der Maschine präsentiert sich eine Konsolenausgabe, die etwas von „efiboot“ vermeldet und folgendermaßen aussieht:

Mac OS X als VirtualBox-Gastsystem

Kurz darauf beginnt Mac OS X von der DVD zu booten. Interessant dabei ist, dass anscheinend VirtualBox irgendwie den »verbose mode« erzwingt, bei dem man während des Bootens – anstelle des grauen Apfels – die diversen Systemmeldungen sehen kann. Der Start dauerte zwar verhältnismäßig lange, lief aber sonst problemlos durch.

Im Installationsprogramm klickt man durch die gewohnten Dialoge, partitioniert die Festplatte nach Lust und Laune und wählt die zu installierenden Pakete aus. Dann beginnt die Installation zu werkeln … und als Benutzer kann man hier getrost eine Stunde anderen Tätigkeiten nachgehen. Auch wenn bei mir der Dialog etwas von 20 Minuten Restdauer vermeldet hat, hat der gesamte Vorgang schlussendlich über eine Stunde in Anspruch genommen.

Mac OS X als VirtualBox-Gastsystem

Nach Abschluss der Installation startete das System brav von der virtuellen Festplatte. Nach Anlegen eines Benutzers und Erreichen dessen Desktops ging die Warterei aber von vorne los. Spotlight hatte nämlich bereits mit der Indizierung der Festplatte begonnen, was die virtuelle Maschine komplett lahm legte. Nach einer weiteren Stunde war auch das erledigt und ich konnte endlich mein neues, virtuelles Mac OS X genießen. Oder sagen wir lieber … anschauen.

Zwar sieht soweit alles gut aus, aber es gibt einige Einschränkungen, die es zu beachten gilt. Zunächst gibt es keine Gasterweiterungen für Mac OS X Clients. Das wäre ja noch verschmerzbar, aber es lässt sich leider keine andere Bildschirmauflösung als 1024×768 einstellen. Außerdem mangelt es an einer funktionierenden Audioausgabe. Aber das sind meiner Meinung noch fast die kleineren Einschränkungen.

Wesentlich nerviger ist es, dass die Host-CPU auf einem Kern konstant zu 100% ausgelastet ist, während die virtuelle Maschine mit Mac OS X im Leerlauf ist. Das erzeugt viel Hitze, lässt die Lüfter des Notebooks hoch drehen und saugt in weiterer Folge den Akku in Rekordzeit leer. Außerdem ist das Gastsystem insgesamt – trotz ausreichend virtuellem RAM – so langsam, dass man sich ernsthaft fragt, was mit der CPU-Leistung eigentlich angestellt wird. Im derzeitigen Zustand ist also die produktive Verwendung nur mit starken Einschränkungen oder großer persönlicher Leidensfähigkeit möglich.

Trotzdem begrüße ich diese Entwicklung stark, da es damit beispielsweise für Softwareentwickler einfacher wird, ihre Programme auf unterschiedlichen Mac-Betriebssystemen zu testen. Ich selbst habe zum Testen Snow Leopard in der virtuellen Maschine installiert. Aber ich vermute stark, dass auch Tiger und Leopard ihren Dienst ähnlich gut verrichten werden.

Da es sich, wie erwähnt, bei der aktuellen Version um eine Beta handelt, ist noch mit einigen Verbesserungen bis zur Veröffentlichung der finalen Version zu rechnen. Auch stellt sich die Frage, ob es in absehbarer Zeit möglich sein wird (gegebenenfalls unter Zuhilfenahme einiger Tricks), Mac OS X auch auf gewöhnlichen PCs mittels VirtualBox zu virtualisieren. Ein erster Versuch meinerseits diesbezüglich ist zwar gescheitert (die virtuelle Maschine wollte einfach nicht booten), aber es gibt ja noch eine Menge anderer Bastler in den Weiten des Internets …

Die Beta von VirtualBox lässt sich hier herunter laden. Für Leser, die VirtualBox noch überhaupt nicht kennen, ist außerdem ein älterer Artikel von Interesse, der allgemein auf das Programm eingeht.

  1. Pingback: Tweets die MacVillage.de » Mac OS X als VirtualBox-Gastsystem erwähnt -- Topsy.com

  2. Pingback: dinofuss.de » Blog Archiv » VirtualBox 3.2.0 unterstützt Mac OS X-Gäste - a small part of web

  3. Ich bin auch mal gespannt wie diese neue Software laufen wird. Ich hatte bei der Installation auch viele Probleme. Danke für diesen Beitrag.

  4. ShenLong

    Das Virtualisieren auf „nicht-Apfel-Hardware“ ist wohl ohne genaue Kenntniss über die verschiedenen Keywords im im EFI eines Apple-Gerätes nicht so ohne weiteres möglich. Mit dem Keyword EFIGopMode lässt sich wohl die Auflösung ändern. weitere Einstellungen die es zu ändern gilt sind wohl diverse Keywords die in verschiedene „Virtual-Hardware-Bausteine“ an bestimmten Adressen zur Verfügung stehen müssen. Darunter unter anderem, soviel meine Recherchen bislang ergaben, der String „Iloveapple“ als DmiBoardProduct. Weiter bin ich allerdings leider noch nicht ganz gekommen.

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