Beitrag vom 23 Dezember 2009 10:45

Die Angabe theoretischer Verbindungsgeschwindigkeiten ärgert die meisten Technikanwender schon lange. Auch bei den Powerline-Anbietern gibt es da keine Ausnahme, weswegen Belkins relativ neues »Powerline HD Starter Kit« zwar Verbindungen über Stromleitungen mit bis zu einem Gigabit pro Sekunde ankündigt, aber im gleichen Zug auch zugibt, dass die Stromleitungen im wirklichen Leben wohl nur weit weniger als die Theorie übertragen. Extreme Unterschiede finden sich deswegen auch in diversen Benutzerbewertungen, in denen zwar viel geschimpft und gelobt wird, dies aber nur selten mit Megabyteangaben und Transferraten im »Feldversuch« getan wird.
Ein Paar der schwarzen »Stromspucker« haben sich nun im MacVillage eingefunden und verbinden momentan zwei nicht weit entfernte Räume. Luftlinie trennen die beiden Geräte damit nur wenige Meter. Welche Wege das Stromnetz in der Wand nimmt, bleibt natürlich in den meisten Fällen ein Rätsel, was auch der Hersteller für sich nutzen kann. Entsprechen die Übertragungsraten nicht den eigenen Vorstellungen, lässt sich der Umstand natürlich leicht auf die Verkabelung im Haus schieben.
Immerhin die Einrichtung der Powerline-Verbindung ist so, wie es auf der Verpackung versprochen wird: Einfach. Station Nummer eins direkt in die Wandsteckdose – Steckdosenleisten sollten vermieden werden, da hier laut Hersteller erhebliche Geschwindigkeitseinbußen zu befürchten sind – und Station Nummer 2 in die Zielsteckdose. Die Verbindung suchen sich die Geräte automatisch. Für eine sichere Verschlüsselung sorgt ein Knopf auf der Oberseite der Geräte. Drückt man diesen für ca. eine Sekunde flackert die passende LED, die den Verschlüsselungsstatus anzeigt. Darauf spurtet man zur zweiten Station und drückt den selben Knopf. Den Rest erledigen die Geräte unter sich und stellen das Ergebnis der 128-Bit AES verschlüsselten Verhandlungen mit der Farbe der LED dar.
Über eine weitere LED stellen die Adapter auch die ungefähre Verbindungsgeschwindigkeit dar. Wobei es hier nur ein Top oder Flop gibt. Ist das Lämpchen orange, liegt die Verbindung bei unter 200 Mbit/s. Ist die LED blau, ist die Verbindung … irgendwie besser. Auf ein Webinterface oder ähnliches zur Kontrolle der Powerline-Station muss man verzichten. Bis auf die LEDs bekommt man keine weiteren Informationen aus den Kästchen heraus, was etwas schade ist und zumindest bei mir ein wenig Kontrollverlust aufkommen lässt. Nach der Einrichtung besteht unsere »Testumgebung« aus einem Mac Pro und einem MacBook Air, dass bekannterweise über den USB-Ethernet-Adapter nur 100 Mbit/s leisten kann, dafür aber kein Laufwerk hat
Der Mac Pro hingegen hängt an einem GB-Switch, an dem auch die erste Powerline-Station angeschlossen ist. Die zweite Station ist direkt mit dem MacBook Air verbunden. Die Belkin-Geräte fühlen sich sowohl bei Direktanschluss am Rechner, als auch an einem Switch oder Router wohl.
Über eine gewöhnliche AFP-Freigabe erreichen wir in beide Richtungen eine stabile Übertragungsrate von 6 bis 7 MByte/s. Ob das wirklich für Streaming von HD-Inhalten ausreicht sei dahingestellt, aber die Verbindung ist immerhin schneller als unser lokales WLAN mit einer TimeCapsule (802.11n, b/g-kompatibel) und einer Airport Express als Erweiterung, die selten über 5 MB/s kommen. Für Streaming von normalen DVDs oder MP4s reichen die Powerline-Adapter also allemal. Weit entfernt von einer Powerline-Revolution mit einem Gigabit sind sie trotzdem. Die Pingzeiten auf den Rechner gegenüber sind mit unter 4ms absolut ok und auch Pings ins Internet laufen in unserer Konstellation über die Powerline-Adapter mit der gewohnten Geschwindigkeit. Zudem gibt es weniger Schwankungen in den Pingzeiten, verglichen mit unserem WLAN-Netz.
Was die Geschwindigkeit angeht landen wir eigentlich wieder bei Abschnitt 2 des Artikels. Niemand kann genau sagen, wo und wie viel Geschwindigkeit man in den Stromleitungen verliert. Um die Verbindung über einen möglichst kurzen Weg zu testen, haben wir beide Powerline-Adapter direkt an eine Steckdosenleiste angeschlossen (siehe Bild oben) und das MacBook Air durch ein GB-Ethernet-fähiges MacBook ersetzt. Und siehe da, immerhin 15 bis 16 MB/s wandern so durch das Stromnetz beim Kopieren einer 1,66 GB großen MP4-Datei über eine AFP-Freigabe. Im sinnvollen Einsatz von Raum zu Raum kommen wir aber über die 6-7 MB/s nicht hinaus.
Damit könnten die Adapter bei uns von der Geschwindigkeit her zwar ohne weiteres das bestehende WLAN ersetzen, aber für vollwertiges HD-Streaming würden wir weiterhin auf eine Ethernetverkabelung setzen. Ein offener Punkt ist außerdem noch der Stromverbrauch der Powerline-Adapter. Zum einen werden die Geräten auch ohne Last sehr warm und zum anderen sind sie immer online und verbrauchen somit ständig Strom. Ein weiterer Haken ist eine neue Firmware, die für die Adapter bereit steht. Belkin verspricht hier noch einmal gesteigerte Durchsatzraten.

Als Mac-Anwender hat man allerdings so seine Probleme beim Aktualisieren der Firmware. Zum einen steht die Software nur für Windows zur Verfügung, zum anderen stürzt diese in der virtuellen Maschine (Windows 7) bei jedem Updateversuch ab, sobald sich der Powerline-Adapter bei der Software meldet, was natürlich ebenso an unserer Konfiguration oder der VM liegen kann. Aber anscheinend liegen doch einige Steinchen zwischen dem Update und den Mac-Anwendern. Update: Auch mit neuer Firmware auf den Adaptern ändern sich die Übertragungsraten im Live-Einsatz nicht wesentlich.
Als Fazit bleibt momentan, dass die Powerline-Adapter zwar eine nette Alternative zum WLAN darstellen, die Verpackungstexte (»Mehrfach HD-Streaming« etc.) von Belkin aber im Normalfall etwas zu hoch gegriffen sind. Im Zweifelsfall muss man die Powerline HD-Adapter einfach Live in der eigenen Wohnung testen, um zu wissen welche Durchsatzraten man erwarten kann. Und genau das macht den Kauf der Geräte oft etwas schwierig. Positiv ist auf jeden Fall die kinderleichte Installation und die Stabilität des Powerline-Netzes zu bewerten und das die Durchsatzraten definitiv für die Internetanbindung und »normales« Streaming ausreichend sind.









Danke für den informativen Bericht!
Hab mir auch die Belkins geholt… das da nicht unbedingt Gigabit drin ist, nur weils draufsteht, war mir schon bewusst, und so bin ich mit 11 – 17 MByte/s schon sehr zufrieden. Die Entfernung ist in meinem Fall aber auch nicht so übermässig. Spannend finde ich an diesem Beitrag, dass ihr das über AFP gemessen habt. Es hat ein Weilchen gedauert, bis ichs rausgefunden habe, aber anscheinend blockt meine Belkin Powerline-Verbindung alles was mit Apple zu tun hat. Netzwerkverbindungen mit Samba – wunderbar, aber kein APF. Apples AirPlay geht auch einfach verloren. Spanne ich eine Strippe quer durch meine Bude und berbrücke damit die Powerline-Strecke funktioniert beides mitmal perfekt… Frage mich, was das soll… %-?