Beitrag vom 8 Juli 2009 16:36

TeamViewer – Remotedesktop für alle

TeamViewer Kopfgrafik

Den meisten Leuten hier wird das Folgende sehr bekannt vor kommen: Ein Freund oder Bekannter ruft spät abends an, um ein Computerproblem gelöst zu bekommen. Die Schilderungen des Problems sind dürftig, Fehlermeldungen werden nicht vorgelesen und wenn man nachfragt, was der Rechner denn gemeldet hat, bekommt man als Antwort: »Das habe ich immer gleich weg geklickt.« Eine Stunde später ist man am Ende seiner Nerven, das Problem ist noch immer nicht gelöst und man beschließt, am nächsten Tag nach der Arbeit beim Nervtöter Hilfesuchenden vorbei zu schauen.

Für solche Situationen bieten sich im allgemeinen Remotedesktop-Lösungen wunderbar an. Davon gibt es diverse Vertreter, Windows Remote Desktop und VNC sind wohl die Bekanntesten davon. In einem lokalen Netzwerk funktionieren diese auch tadellos. Will man sie allerdings über das Internet verwenden, ist einiges zu beachten. Die meisten Leute sitzen hinter einem NAT-Router, damit ist deren Rechner nicht mehr ohne weiteres von außen erreichbar. Außerdem blockiert eine Desktop-Firewall sämtliche eingehenden Verbindungen.

Für versierte Benutzer stellt das natürlich keine Hürde dar. Innerhalb weniger Minuten ist ein Port am Router weiter geleitet und die Firewall am Rechner so konfiguriert, dass man bequem von überall aus Zugriff hat. Allerdings genau hier liegt der Hund begraben. Diejenigen, die ständig Hilfe von anderen brauchen, wenn beim PC irgendetwas nicht geht, sind sicher die letzten, die es schaffen, sich das alles selbst einzurichten. Und genau für solche ist TeamViewer perfekt geeignet.

TeamViewer Remoteansicht

Ähnlich wie Skype schafft es dieses Programm nämlich so gut wie immer, eine Verbindung aufzubauen. Dabei wird auch dieselbe Technik (STUN) verwendet, die Firewalls und NAT-Geräte unterminiert. Um das zu ermöglichen, müssen Verbindungen über einen Server initialisiert werden. Sobald diese steht, läuft der Rest der Datenübertragung im Peer-to-Peer-Modus ab. Firmenkunden schreckt dieses Verfahren sicher ein wenig ab, aber allgemein spricht meiner Meinung nach nicht viel dagegen. Sicherheitsbedenken hin oder her, es funktioniert einfach. Immer!

Anders als bei anderen Remotedesktop-Programmen wird die Verbindung bei Teamviewer nicht durch Eingabe der Ziel-IP hergestellt. Bei jedem Programmstart wird ein Nummernpaar generiert. Per Instant Messenger oder Telefon gibt man dem netten Helfer die beiden Nummern durch. Das eine ist die Rechner-ID, das zweite ein Passwort, um den Zugriff abzusichern. Mehr ist auch nicht tun – sobald das Programm gestartet ist, ist es für Verbindungen bereit.

TeamViewer Opferansicht

Der Helfer startet auf seinem Rechner ebenfalls TeamViewer und gibt dort die ID-Nummer ein. Nach einem Klick auf »Mit Partner verbinden« wird noch das Passwort abgefragt und schon kann es los gehen.

TeamViewer Helferansicht

Je nach Verbindungsgeschwindigkeit und persönlichem Geschmack lassen sich einige Parameter bei der Bildqualität verändern. Im lokalen Netzwerk kann man es sich – dank Peer-to-Peer-Übertragung ohne Internetserver – durchaus leisten, die volle grafische Pracht einschließlich Hintergrundbild darzustellen. Für einen Betrieb über das Internet lässt sich das Wallpaper natürlich deaktivieren, die Farbtiefe reduzieren oder die Darstellung überhaupt auf Graustufen beschränken um Bandbreite zu sparen.

Neben diesen Funktionen, die jedes Programm dieser Art mehr oder weniger beherrscht, bietet TeamViewer noch einiges mehr. In den Optionen lässt sich detailliert einstellen, wie viel Zugriff Helfer haben dürfen. Hier lässt sich beispielsweise festlegen, dass diese nur das Bild zu sehen bekommen, aber keine Eingaben tätigen können. Für eine einfache Zusammenarbeit werden auch Dateitransfers direkt im Programm unterstützt – ideal, um beispielsweise einen Treiber oder ein Dokument auszutauschen, ohne den Mailclient starten zu müssen.

Wenn die Auflösung des entfernten Rechners höher ist als die des lokalen Rechners, lässt sich das Fenster wahlweise mit Scrollbalken versehen oder die Remotedarstellung skalieren. Solange man nicht extrem herunter skaliert, lässt sich damit auch problemlos arbeiten. Man trifft zwar nicht mehr auf einen Pixel genau, wenn man mit der Maus klickt, aber das ist in den seltensten Fällen wirklich erforderlich.

Über die Schaltfläche »Aktionen« lassen sich meine drei Lieblingsfunktionen aufrufen. Die eine ermöglicht es, den Rechner (auch im abgesicherten Modus) neu zu starten oder herunter zu fahren. Um ein versehentliches »Dazwischenpfuschen« per Maus und Tastatur am Remoterechner zu verhindern, lässt sich mit einer anderen Funktion die Eingabe deaktivieren. Weniger für Hilfestellungen denn für kooperatives Zusammenarbeiten finde ich die Funktion »Richtungswechsel« sehr genial, die die Rollen der beiden Rechner (ohne neu verbinden zu müssen) tauscht. Der Helfer wird zum Gesteuerten und umgekehrt. Natürlich lässt sich die Richtung auch wieder genauso einfach zurück wechseln.

TeamViewer Sonderfunktionen

Bemerkenswert ist auch, dass das Programm gleichermaßen unter Windows (ab Windows 98!) und unter Mac OS X (ab Tiger) läuft. Nicht nur das, man braucht es zur Verwendung nicht einmal installieren. Einfach die ausführbare Datei von der Webseite herunter laden, starten und fertig. Schnell und umkompliziert, so muss das sein! Auf Wunsch lässt sich das Programm natürlich trotzdem auf der Festplatte installieren, falls man es öfter als einmal benötigt.

Meiner Meinung nach ist TeamViewer nicht nur für wenig versierte Heimbenutzer sondern auch für Firmen gut einsetzbar. Die kostenpflichtigen Business-Versionen von TeamViewer bieten einige Funktionen mehr als die kostenlose Variante. Beispielsweise lassen sich hier Verbindungen auch direkt zu einer IP-Adresse im Netzwerk aufbauen, womit die Sicherheitsproblematik aufgrund des Servers im Internet entfällt.

Aufgrund der umfangreichen Funktionalität, der einfachen Verwendbarkeit, der angenehm kleinen Downloadgröße und der Tatsache, dass das Programm für Privatanwender kostenlos ist, kann ich für TeamViewer meine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen.

Download von TeamViewer (kostenlos):
http://www.teamviewer.com/

Christoph Kamon
Gespeichert in: Software

5 Kommentare für 'TeamViewer – Remotedesktop für alle'

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